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2.5.2007 | Von:
Golz, Hans-Georg

Editorial

Die neue Lage in Nahost ist wenig ermutigend. Das Erstarken islamistischer Bewegungen hat zur konfessionellen Überlagerung der Konflikte geführt. Die Kluft zwischen Sunniten und Schiiten vertieft sich.

Vor 40 Jahren, im Juni 1967, rückte die israelische Armee durch die Sinai-Halbinsel bis zum Suezkanal vor und fügte dem Nachbarland Ägypten eine schwere militärische Niederlage zu. Während des Sechstagekriegs besetzte ägyptische, syrische und jordanische Gebiete werden bis heute von Israel kontrolliert und sind zum Teil annektiert worden.

Israel schloss 1979 bzw. 1994 mit Ägypten und Jordanien Friedensverträge. Verhandlungen mit Syrien endeten 2000 ergebnislos, und im selben Jahr begann die zweite Intifada. Anstrengungen zur Beilegung des israelisch-palästinensischen Konflikts scheiterten immer wieder an zentralen Streitpunkten: am Status Jerusalems, am Rückkehrrecht für die Palästinenser und an der Räumung der seit 1967 besetzten Gebiete. Seit kurzem verstärken die Königshäuser Saudi-Arabiens und Jordaniens ihre Vermittlungsbemühungen, um den Friedensprozess wieder in Gang zu setzen.

Die neue Lage im Nahen und Mittleren Osten ist indes wenig ermutigend. Das Erstarken islamistischer Bewegungen hat zur konfessionellen Überlagerung der Regionalkonflikte geführt. Der Irak droht vier Jahre nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein trotz formaler Autonomie im Bürgerkrieg zu versinken. Die Kluft zwischen Sunniten und Schiiten in der arabischen Welt vertieft sich. Der Aufstieg des schiitischen Iran zur Nuklearmacht scheint möglich; die Rhetorik aus Teheran muss Israel alarmieren. Indes hat das Ansehen des Westens durch die Besatzungspolitik im Irak weiteren Schaden genommen. Eine neue regionale Sicherheitsarchitektur müsste eine Perspektive für den Abzug der Koalitionstruppen aus dem Irak enthalten und die Interessen Israels und des Irans integrieren.