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Konfliktdynamik im Nahen und Mittleren Osten


2.5.2007
Die Region wird nicht von einem "Schlüsselkonflikt", sondern von sich überlagernden und gegenseitig verstärkenden geprägt: dem israelisch-arabischen und dem Hegemonialkonflikt am Golf.

Einleitung



Entgegen der verbreiteten Ansicht, dass die israelisch-palästinensische Auseinandersetzung der "Kern-" oder "Schlüsselkonflikt" im Nahen und Mittleren Osten sei, wird die Region von mehreren Konflikten geprägt. Am explosivsten ist neben dem israelisch-arabischen der Hegemonialkonflikt am Golf, der derzeit gewalttätig im Irak ausgetragen wird.











Es gibt keine Hierarchie dieser Konflikte. Zwar würde essich stabilisierend auf die Region auswirken, wenn einer geregelt oder auch nur friedlich ausgetragen würde. Dennochwürde dies die Ursachen im anderen Konfliktfeld nicht beseitigen und wahrscheinlich nicht einmal zu einer substanziellen Entschärfung führen. Zwar würde ein wichtiger Mobilisations- und Legitimationsfaktor für terroristische Gruppen entfallen, wenn die Konflikte um Palästina oder den Irak geregelt würden. Gleichzeitig würde sich aber - um nur ein Beispiel zu nennen - die Rückkehr von ausländischen Kämpfern aus dem Irak in ihre mehrheitlich arabischen Heimatländer destabilisierend auswirken, wie die Erfahrung nach dem Afghanistan-Krieg gezeigt hat.

Die Konflikte wirken zunehmend aufeinander ein und verschärfen sich gegenseitig. Dabei werden sie immer stärker von konfessionellen Interpretationen überlagert (Schlagwort "schiitischer Halbmond") und - vor dem Hintergrund der Interventionspolitik der USA in der Region - von der Wahrnehmung eines Zivilisationskonfliktes zwischen "dem Westen" und "dem Islam".