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2.5.2007 | Von:
Rolf Steininger

Der Sechstagekrieg

Ausblick

Kurt Waldheim, Österreichs Vertreter bei den Vereinten Nationen und später zehn Jahre lang deren Generalsekretär, meinte in einer Analyse des israelischen Sieges: "Israel hat sich durch seinen Sieg über die arabischen Staaten militärische Sicherheit auf lange Sicht geschaffen. Von einer politischen Lösung seiner Existenzfrage dürfte es jedoch weiter entfernt sein denn je."[36] Das war keine schlechte Voraussage.

Österreichs Vertreter in Tel Aviv, Friedrich Bauer, kam zwar zu der Schlussfolgerung, dass aus israelischer Sicht die Vorteile des Sieges eindeutig die Nachteile überwogen ("Prestigegewinn in aller Welt, fast hegemonialer Prestigezuwachs im Nahen Osten"; "Bindung Israel-USA enger denn je"), gab aber Folgendes zu bedenken: "Trotz zur Schau getragener Selbstsicherheit, verbunden mit Durchhaltepathos, die manchmal in fast unerträgliche Überheblichkeit mündet, erheben sich in der israelischen Bevölkerung manche Zweifel. DieHoffnungen auf Direktverhandlungen mit den arabischen Nachbarn werden immer geringer, auch die Hoffnung auf eine andere Friedenslösung wird schwächer. Man bereitet sich innerlich bereits auf die vierte Runde vor." Die Häufung von Agenturmeldungen, wonach Israel an der Entwicklung einer Atombombe arbeite, "bringt neue unterschwellige Ängste". Abschließend meinte er mit Blick auf die Araber: "Der durch Demütigung genährte Hass lässt jede politische Lösung in die Ferne rücken."[37] Auch das war keine schlechte Vorhersage.

Während die Sowjetunion Ägypten und Syrien massiv aufrüstete, verkündete die Arabische Liga im September in Khartum ein dreifaches Nein: nein zur Anerkennung Israels, nein zu Verhandlungen mit Israel, nein zum Frieden mit Israel. Während der UNO-Sicherheitsrat im November mit der Resolution 242 Israel vergebens zum Rückzug aus den besetzten Gebieten aufforderte, begann Israel mit einer offensiven Siedlungspolitik in diesen Gebieten. Palästinensische Extremisten reagierten mit Terroranschlägen.[38]

Fußnoten

36.
Kurt Waldheim (New York) an Außenminister Lujo Toncic'-Sorinj (Wien), 10.6. 1967: Der israelische Sieg und seine Konsequenzen, in: Berichte aus Israel (Anm. 5), Bd. 9, 1966-1968, Dok. 59.
37.
Friedrich Bauer (Tel Aviv) an Außenminister Lujo Toncic'-Sorinj (Wien), 25.7. 1967: Bestandsaufnahme und Stimmungsbericht, in: ebd., Dok. 74.
38.
Vgl. Rolf Steininger, Der Nahostkonflikt, Frankfurt/M. 20074, S. 47 und S. 107.