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Editorial


23.4.2007
Mit den Begriffen "Körperkult" und "Schönheitswahn" werden zeitgenössische Körperpraktiken kritisiert. Die Kritik richtet sich dabei nicht primär an jene, die sich solchen Praktiken unterwerfen, sondern an die Konsum- und Mediengesellschaft, welche die ästhetischen Normen setzt und den eigenen Körper nicht selten als mangelhaft erscheinen lässt. Die Mängel ließen sich beheben, wird suggeriert: Schönheit sei machbar. Der Weg zum Glück in der Liebe, zu größeren Chancen am Arbeitsmarkt, zu einem höheren Sozialprestige führe über die aktive Arbeit am Körper. Ausgeblendet bleiben dabei nicht nur die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die es den einen ermöglichen, in die Arbeit am Körper zu investieren, anderen nicht. Auch die Risiken, welche mit der Fokussierung auf den Körper einhergehen, bleiben im Dunkeln.

Die Notwendigkeit, den eigenen Körper zu inszenieren, hat in der modernen Gesellschaft zugenommen. So setzt etwa die Zugehörigkeit zu einer Gruppe nicht selten intensive Arbeit amKörper voraus. Wissenschaftler sprechen von "inkorporierter Kompetenz". Unendlich viele Möglichkeiten, den Körper zu verändern, sind längst selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Sie reichen vom schlichten Make-up bis zu Schönheitsoperationen in der Klinik, deren Zahl seit 1990 kontinuierlich zunimmt.

Arbeit am Körper oder Schönheitshandeln sind keineswegs neue Phänomene; alle historischen Epochen kannten gesellschaftliche Körperkonzepte. In der modernen Gesellschaft setzt jedoch allein der Markt die Maßstäbe. Damit einher geht die Gefahr, dass der Körper zum Gegenstand wird, der nach Belieben manipuliert werden kann.