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Feldpost eines Frontsoldaten


23.3.2007
Die Einzelfallstudie zeichnet anhand der biographischen Methode die Verwandlung eines Abiturienten zum opferbereiten Wehrmachtsleutnant nach und untersucht dessen mentale Indienstnahme.

Einleitung



Feldpost ist eine Kategorie von Briefen, die in existenzieller Situation verfasst wurden. Auf unbestimmte Zeit getrennt von den Angehörigen und dem zivilen Leben, unter großen körperlichen und psychischen Entbehrungen und Strapazen, allzu häufig im Bewusstsein der Möglichkeit des eigenen gewaltsamen Tötens und Sterbens sprechen Menschen über sich und ihre Umgebung. Ihre Zwiesprache mit den Angehörigen interessiert die historische Forschung in besonderer Weise, hilft die Auswertung dieser Kommunikation doch, die Verwandlung von Zivilisten in auf Leben und Tod kämpfende Soldaten besser zu verstehen.






Die Fakten des Zweiten Weltkriegs sind hinlänglich bekannt, das Innenleben der am Kriegsgeschehen beteiligten Menschen aber entzieht sich in weiten Teilen noch immer unserem Verständnis. Eine Analyse dieses Innenlebens hängt ab von einer sich kontinuierlich über einen längeren Zeitraum erstreckenden Quellenbasis. Nur aus ihr können über die bloße Momentaufnahme einzelner Briefe hinaus Aussagen über die Mentalität der Verfasser gewonnen werden. Geschlossene Quellenkörper, die exemplarische Untersuchungen erlauben, haben Seltenheitswert. Allzu häufig haben die Briefe ebenso wie ihre Autoren den Krieg nicht überstanden oder liegen für die Forschung unzugänglich auf privaten Dachböden. Die hier skizzierte Einzelfallstudie, die Auswertung eines umfangreichen und geschlossenen Feldpostfundus, verdankt sich insofern einem Glücksfall.[1]


Fußnoten

1.
Dieser Beitrag beruht auf der Doktorarbeit der Autorin "Leutnant der Wehrmacht Peter Stölten in seinen Feldpostbriefen. Vom richtigen Leben im falschen", die im Dezember 2005 von der Philosophischen Fakultät IV der Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg im Breisgau, als Dissertation angenommen wurde. Die Arbeit erscheint unter gleichem Titel in der Reihe Historiae des Rombach-Verlages. Alle Zitate sind, sofern nicht anders kenntlich gemacht, Briefen von Peter Stölten entnommen.