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2.3.2007 | Von:
Thymian Bussemer

Psychologie der Propaganda

Annahmen über die Wirksamkeit politischer Propaganda und die Bewertung ihrer gesellschaftlichen Brisanz sind eng mit Erkenntnissen der Politischen Psychologie verknüpft.

Einleitung

Wenn es um die Wirkung der Medien auf die Menschen geht, kann die Kommunikationswissenschaft auf die Hilfe psychologischer Theorien und Modelle nicht verzichten. Aus dieser Wissenschaft kommen ganz überwiegend die Hypothesen und Denkmodelle, die in der empirischen Medienforschung die Grundlagen für Tests und Studien bilden und diese in ihren Erkenntnisinteressen leiten: Wirken häufig vorgetragene Slogans intensiver, oder wenden sich die Menschen bei ständiger Wiederholung überdrüssig ab? Haben mit Pro- und Contra-Argumenten übermittelte Botschaften eine größere Chancen zu überzeugen als solche, die nur eine Sichtweise transportieren und damit beim Leser oder Zuschauer Manipulationsverdacht wecken? Lassen sich - etwa in der Werbung - Reize medial so gestalten, dass die Rezipientinnen und Rezipienten sich ihnen nicht entziehen können? Diese Fragen kann die Medienforschung nicht bearbeiten, ohne auf kognitionspsychologische Modelle zurückzugreifen.






Ganz besonders gilt dies für einen Spezialbereich der gesellschaftlichen Kommunikation, die politische Propaganda.[1] Die unterschiedlichen Ausprägungen und theoretischen Modellierungen, die diese Kommunikationstechnik im Lauf der Jahrzehnte erfahren hat, sind mit den verschiedenen psychologischen Basisannahmen über ihr Wirken (und damit über die Art und Weise, wie man sie am besten gestalten könne) so eng verknüpft, dass es legitim erscheint, die Geschichte der modernen Propaganda als Geschichte unterschiedlicher psychologischer Denkmodelle über ihre Wirkung zu schreiben. Denn Propagandabotschaften müssen stets so gestaltet sein, dass sie a) mit den Interessen und Zielen der Propagandisten in Einklang stehen, b) durch das Mediensystem freiwillig oder auf Grund von Zwang transportiert werden können und c) vom Publikum im Sinne der Propagandisten aufgenommen werden. Letzteres, die Akzeptanzfähigkeit der Botschaften bei ihren Empfängern, ist in der Propagandakommunikation der zentrale Punkt, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Überlegungen und Spekulationen auf Seiten der Propagandisten über die vermuteten Eigenschaften des Publikums und die psychologischen Faktoren des Wirkungsprozesses stehen so im Mittelpunkt jeder Reflexion über Propaganda.

Fußnoten

1.
Propaganda soll hier als die in der Regel medienvermittelte Formierung handlungsrelevanter Meinungen und Einstellungen politischer oder sozialer Großgruppen und als Herstellung von Öffentlichkeit zugunsten bestimmter Interessen verstanden werden. Propaganda zeichnet sich durch die Komplementarität vom überhöhten Selbst- und denunzierendem Fremdbild aus und ordnet Wahrheit dem instrumentellen Kriterium der Effizienz unter.