APUZ Dossier Bild

8.2.2007 | Von:
Hildegard Matthies

Männerkultur bremst weibliche Karrieren

Im vergangenen Jahr konstatierte der damalige Präsident der Harvard Universität, Lawrence Summers, dass Frauen die "innere Befähigung" zu besonderen Leistungen in der Wissenschaft fehle.

Einleitung

Im vergangenen Jahr konstatierte der damalige Präsident der Harvard Universität, Lawrence Summers, dass Frauen die "innere Befähigung" zu besonderen Leistungen in der Wissenschaft fehle. Programme zur Förderung von Frauen, so legte er nahe, würden ein höheres Risiko des Leistungskompromisses in sich bergen als die Chance auf einen Zugewinn von Exzellenz. Diese Äußerung löste eine Welle des Protestes aus und hat Summers mittlerweilezum Rücktritt veranlasst. Eine Ausnahme? Oder sprach Summers nur aus, wasviele denken, aber nicht zu sagen wagen? Immerhin ist auch in weniger populistisch aufgeheizten Debatten die Auffassung weit verbreitet, dass Frauen den beruflichen Aufstieg gar nicht wollten. Folglich seien sie auch selber daran schuld, dass sie auf den führenden Positionen der Gesellschaft kaum vertreten sind.[1]




Wie sich anhand zahlreicher Studien zur Karriereaspiration von Männern und Frauen darlegen lässt, gibt es für diese Behauptung durchaus eine gewisse empirische Evidenz. Dennoch stellt sich die Frage, was Frauen davon abhält, in die von Männern dominierten Positionen der Macht einzudringen. Das lenkt den Blick auf die Rolle der institutionellen Rahmenbedingungen von Erwerbsarbeit und damit nicht zuletzt auch auf die männlich geprägte Arbeits- und Führungskultur.

Fußnoten

1.
Nach Angaben des International Labour Office von 2004 haben 32 der laut London Stock Exchange 100 größten Unternehmen Europas im Top-Management bspw. keine einzige Frau. Und in Deutschland waren 2002 nur in drei der 87 größten Unternehmen eine oder mehrere Frauen im Management vertreten.