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16.1.2007 | Von:
Hartmut Seifert

Arbeitszeit - Entwicklungen und Konflikte

Die Arbeitszeit wird wieder länger, aber auch kürzer und vor allem flexibler. Es wird gezeigt, dass diese Entwicklungen den Forderungen nach alterns- und familiengerechten Arbeitszeiten hochgradig zuwider laufen.

Einleitung

Einheitliche Arbeitszeitmuster gehören der Vergangenheit an. Die Arbeitszeiten werden bunter und vielfältiger, wieder länger, aber auch kürzer, auf jeden Fall flexibler. Der Trend zur Nacht-, Schicht- und Wochenendarbeit setzt sich fort. Arbeitszeitkonten lösen gleichförmige Regelarbeitszeiten ab und erlauben variable Verteilungsmuster.

Die Veränderungen von Dauer, Lage und Verteilung der Arbeitszeit folgen allerdings weniger als in früheren Perioden gesellschaftlichen Zielvorgaben. Sie sind auch nicht als Kompromiss aus heftigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen hervorgegangen, wie die Mitte der 1980er Jahre in der Metall- und in der Druckindustrie nach wochenlangem Streik schließlich vereinbarten Tarifverträge, die den Einstieg in die 35-Stundenwoche nur im Tausch gegen flexible Arbeitszeiten ermöglichten. Ebenso wenig sind die Veränderungen der Arbeitszeit auf die Zeitwünsche und -bedarfe der Beschäftigten zurückzuführen. Weder verlängerte Arbeitszeiten (ohne Lohnausgleich) noch vermehrte Nacht- und Wochenendarbeit gelten als Wunscharbeitszeiten. Wenn diese Zeitformen dennoch von den Beschäftigten akzeptiert werden, dann wohl nur deshalb, weil sie angesichts bedrohter Arbeitsplätze häufig im Tausch gegen Arbeitsplatzgarantien und Standortzusagen ausgehandelt und zugestanden werden.

Der Wandel der Arbeitszeitstrukturen ist Ausdruck einer systematischen Ökonomisierung der Arbeitszeit. Auf der Suche nach kostenoptimalen Arbeitszeiten stellen die Betriebe ihre bestehenden Zeitregime auf den Prüfstand und reorganisieren sie vorrangig nach betriebswirtschaftlichen Kriterien. Gesellschaftliche, familien-, bildungs- und arbeitspolitische Anforderungen kommen dabei zu kurz. Besonders krass zeigt sich dieser Zielkonflikt an den aktuellen Forderungen nach sowohl familien- als auch alternsgerechten Arbeitszeiten. Bevor dieser Zusammenhang näher beleuchtet wird, sind die groben Linien der Arbeitszeitentwicklung nachzuzeichnen und die hierfür ausschlaggebenden Triebkräfte zu identifizieren.