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12.12.2008 | Von:
Ulrich Steuten
Hermann Strasser

Lady Di - Die moderne Madonna

Mit jedem ihrer mariengleichen Züge wurde Lady Di zur Projektionsfläche vielfältiger Identifikationsbedürfnisse. Das alles wäre ohne den Antrieb von Vermarktungsinteressen und die Überzeichnung durch die Medien nicht möglich gewesen.

Einleitung

In der Nacht zum 31. August 1997 kam die britische Prinzessin Diana Frances Mountbatten-Windsor, geborene Spencer, bei einem tragischen Autounfall in Paris ums Leben. Ihr Tod löste weltweit eine Welle der Trauer und Anteilnahme aus, wie es sie äußerst selten gegeben hat. Nach Schätzungen verfolgten mehr als zwei Milliarden Menschen die Trauerfeierlichkeiten im Fernsehen oder Rundfunk, über eine Million Menschen versammelten sich in den Straßen entlang des Trauerzugs zu Londons Westminster Abbey. Und in den folgenden Jahren ist ein Prozess der Glorifizierung von "Lady Di", wie die Prinzessin von Wales schon zu Lebzeiten im Volksmund genannt wurde, in Gang gekommen.










Allenfalls die Ermordung John F. Kennedys dürfte in den vergangenen Jahrzehnten ein vergleichbares Echo der Bestürzung und des Mitgefühls ausgelöst haben. Ähnlich wie bei Kennedy sind die Spekulationen über die Hintergründe ihres Todes bis heute nicht abgerissen. Verschwörungstheorien oder Gerüchte über die Beteiligung ausländischer Mächte oder des britischen Geheimdienstes machen in den Gazetten die Runde. Erst vor kurzem kam es zu einer höchstrichterlichen Entscheidung, dass kein Beweis vorliege, "dass Prinz Philip den Mord der Prinzessin von Wales angeordnet hat"[1]. Doch anders als nach dem gewaltsamen Tod des amerikanischen Präsidenten ist auch elf Jahre nach Prinzessin Dianas Tod immer noch eine starke emotionale Anteilnahme breiter Bevölkerungsschichten wahrzunehmen.

Die authentischen Bekundungen von Trauer und Wertschätzung, die der Toten weltweit entgegengebracht und seit Jahren von mehreren Seiten instrumentalisiert werden, sind unübersehbar. Das Leben und Sterben der Prinzessin von Wales ist offensichtlich geeignet, einer populären Mythenbildung in der modernen Gesellschaft Substanz zu verleihen. Vor allem bietet es die Möglichkeit, einen modernen Kult zu etablieren, der sich im Zuge politischer Opportunitäten und kommerzieller Interessen steuern und nutzen lässt. Doch was macht Lady Di zu einer derart idealen Kultfigur?

Fußnoten

1.
Die Welt vom 2. April 2008.