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12.12.2008 | Von:
Ulrich Steuten
Hermann Strasser

Lady Di - Die moderne Madonna

Die Ehefrau und Mutter

Hätte sich die Princess of Wales als Gattin und Mutter so verhalten, wie dies in der Welt des Hochadels üblich ist, wäre sie wahrscheinlich nicht zu jener Identifikationsfigur geworden, zu der sie letztlich aufstieg. Die Besonderheit ihres Verhaltens lag darin, in der Öffentlichkeit mehr als nur ansatzweise bewusst königliche Distanziertheit und Steifheit aufzuheben.

Wenn sie wie andere Mütter mit ihren Kindern spielte, mit ihnen zu McDonald's ging oder am Wettlauf mit anderen Kindergartenmüttern teilnahm und dies medienwirksam zur Schau stellte, dann war sie eine Frau des Volkes, "eine von uns", scheinbar allen Normalsterblichen gleich. Wenn sie unter ihrem lieblosen und treulosen Ehemann litt und dies auch öffentlich zeigte, dann ging es ihr - so mochte man glauben - nicht anders als Tausenden hintergangenen und betrogenen Frauen im Königreich und anderswo.

Mehr noch, sie erschien Vielen als eine Frau auf der Suche nach ihrem Leben. Denn als dritte Tochter des Viscount Johnnie Althorp, des 8. Earl Spencer, und seiner zwölf Jahre jüngeren Frau Frances entpuppte sich Diana Frances Spencer als ein Kind zum falschen Zeitpunkt mit dem falschen Geschlecht, in der sich eine Katastrophe an die andere reihte, wie einer ihrer Biografen unlängst ihren Lebenslauf charakterisierte.[18] Vielleicht kommt in solchen Lebensläufen, die vom Scheitern bedroht sind, der Tod einer Erlösung gleich, indem er, wie im Falle Dianas, das irdische Idol in eine ruhmreiche Legende verwandelt.

Nach Dianas Scheidung von Prinz Charles kam eine weitere Komponente hinzu: Auch als geschiedene Frau, als "alleinerziehende" Mutter und als vom königlichen Hof Verstoßene war ihr die Faszination der Massen gewiss, weil sie öffentlich ihre Trauer und Verletztheit zeigte und eben nicht hinter der Maske adeliger Etikette verbarg. Auch in dieser Rolle nahm Diana madonnenhafte Züge an. Sie offenbarte dem Volk das Leiden einer unschuldigen Mutter, bewahrte trotz aller Demütigungen Würde und verzieh ihren Peinigern.[19]

Fußnoten

18.
Vgl. Helmut-Maria Glogger, Diana. Eine Frau sucht ihr Leben, München 2007.
19.
Vgl. L. de Winter (Anm. 10), S. 200. Zur Mutterrolle vgl. auch Mechthild Jansen, Der feministische Diskurs: Diana und die Emanzipation, in: Sabine Berghahn/Sigrid Koch-Baumgarten (Hrsg.), Mythos Diana - von der Princess of Wales zur Queen of Hearts, Gießen 1999, S. 193ff.