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10.11.2008 | Von:
Cas Mudde

Radikale Parteien in Europa

Die größte Herausforderung für die europäischen Liberaldemokratien bildet die radikale Rechte, insbesondere der radikale Rechtspopulismus. Das 21. Jahrhundert könnte zur Epoche des politischen Radikalismus werden.

Einleitung

Einen Überblick über radikale Parteien in Europa zu geben, ist aus verschiedenen Gründen problematisch.[1] Zum einen steht die Forschung vor terminologischen Schwierigkeiten: Was ist unter "politischem Radikalismus" zu verstehen? Und in welcher Beziehung steht er zu "politischem Extremismus" einerseits und zur "(liberalen) Demokratie" andererseits? Erschwerend wirkt zum anderen der Mangel an umfassenden und vergleichbaren empirischen Daten: Während rechtsradikale Parteien - zumindest in einigen europäischen Ländern wie Frankreich und Deutschland - wissenschaftlich relativ gut erfasst sind, gilt dies längst nicht in demselben Maß für linksradikale Parteien.[2]




Daher kann dieser Artikel nicht mehr leisten, als einen knappen Überblick über den Zustand und die Wahlerfolge radikaler Parteien in Europa zu liefern. Zusätzlich zu einem eigenständigen Ansatz bietet er eine kurze Darstellung und eine grobe Bestandsaufnahme der Stärken und Schwächen radikaler Parteien in Europa zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Es soll auf Kernideologien, Wahlergebnisse sowie die politische Bedeutung rechts- und linksradikaler Parteien insgesamt eingegangen werden, notwendigerweise unter Vernachlässigung parteispezifischer oder nationaler Besonderheiten.

Fußnoten

1.
Übersetzung aus dem Englischen: Jaiken Struck, South Petherton, England/UK.

Dieser Artikel ist die überarbeitete, gekürzte und aktualisierte Fassung von Cas Mudde, Politischer Extremismus und Radikalismus in Westeuropa - Typologie und Bestandsaufnahme, in: Uwe Backes/Eckhard Jesse (Hrsg.), Gefährdungen der Freiheit: Extremistische Ideologien im Vergleich, Göttingen 2006, S. 87 - 104.
2.
Vgl. auch Sarah De Lange/Cas Mudde, Political Extremism in Europe, in: European Political Science, (2005) 4, S. 476 - 488.