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31.10.2008 | Von:
Kerstin Martens

Menschenrechts-NGOs im UN-System

Organisatorische Strukturen in den NGOs

Viele der großen genuin im Menschrechtsbereich arbeitenden NGOs haben heute Dépendancen ihrer internationalen Büros in den Städten, in denen im Kontext der UN Menschenrechte behandelt werden - also vor allem in New York und Genf. Viele Organisationen haben ihre Repräsentation im Laufe der Jahre professionalisiert, um durch hauptamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die diversen Optionen im Rahmen des UN-Systems für die Fortentwicklung und Einhaltung der Menschenrechte besser nutzbar zu machen. Heute haben sie zwischen einem und drei Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die vor Ort eine konstante, tagtägliche Repräsentation bei den Vereinten Nationen gewährleisten.

Das Beispiel Amnesty International zeigt diesen Prozess exemplarisch auf: Die Vertretung von AI in New York wurde in den frühen 1970er Jahren zuerst von einem einzigen lokalen Mitglied übernommen, welches die Organisation in seiner Freizeit vor den UN vertrat. Das erste "Büro" wurde in den Privaträumen dieses Mitglieds eingerichtet. Schnell wurde man sich bei AI aber darüber bewusst, dass die Zusammenarbeit mit den UN-Organen im Bereich der Menschenrechte mehr Arbeit benötigte als von ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen bewältigt werden konnte (oder von Personal, das für besondere Anlässe extra aus London eingeflogen wurde). Bereits 1977 wurde daher die New York-Vertretung mit professionellen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ausgestattet, so dass Amnesty International heute allein in New York drei Vollzeitstellen hat. Auch in Genf betreibt AI eine Repräsentation, und in ihrem internationalen Hauptsitz in London hat die NGO mehrere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich fast ausschließlich mit den Beziehungen zu den UN befassen.

Diese Professionalisierung erlaubt es den NGOs, ihre Interaktion mit den Vereinten Nationen gezielter vornehmen zu können. Sie suchen ihre Repräsentanten und Repräsentantinnen professionell aus und beschränken sich auf hoch qualifizierte Leute. Diese haben häufig Jura studiert und sind zum Teil auf internationales Menschenrecht spezialisiert.[21] Aufgrund ihrer Kompetenzen bekamen NGOs "the prospect of becoming ,insiders' working through and with the UN to achieve what had not been possible or desirable for them in the past - the delivery of legal services".[22] Während den UN-Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen aufgrund der häufigen Wechsel ihrer Ämter, Standorte und Aufgaben oft das nötige Wissen fehlt, werden NGO-Vertreter und -Vertreterinnen nicht regelmäßig ausgetauscht,[23] was ihnen einen Kompetenzvorsprung verschafft, der sie für die Vereinten Nationen als externe Berater so wertvoll macht.

NGOs können vielfältig zum Menschenrechtssystem der UN beitragen. Sie sind in allen Phasen des Zyklus internationaler Menschenrechtspolitik vertreten. Um die diversen Interaktionsmöglichkeiten innerhalb des UN-Systems auszuschöpfen, benötigen die NGOs eine offizielle Anerkennung im Rahmen des Konsultativstatus. Viele NGOs haben heute innerhalb ihrer Organisationen Strukturen aufgebaut, um effektiv mit der UN zusammenarbeiten zu können.

Fußnoten

21.
Vgl. Kerstin Martens, NGOs and the United Nations. Institutionalization, Professionalization and Adaptation, Basingstoke (u.a.) 2005.
22.
F. Gaer (Anm. 13), S. 60.
23.
Vgl. A. M. Clark (Anm. 5), S. 35; A. Clapham (Anm. 15), S. 188.