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31.10.2008 | Von:
Anja Mihr

Die Vereinten Nationen und Menschenrechtsbildung

Ein Schwerpunkt der UN-Arbeit ist Menschenrechtsbildung, die Menschen ermöglichen soll, ihre Rechte zu kennen und sich für sie einzusetzen. Doch ihre Verankerung in Schulplänen ist schwierig.

Einleitung

Menschenrechtsbildung ist seit 1993 ein Schwerpunkt der Vereinten Nationen (UN) und somit auch für das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte in Genf. Auf der UN-Weltmenschenrechtskonferenz 1993 in Wien verkündeten die Delegierten am Ende in ihrem Aktionsprogramm, dass Menschenrechtsbildung ein Schwerpunkt bei der Förderung und Verbreitung der Menschenrechtsidee sein soll.[1] Dabei bestätigten die Delegierten Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 (AEMR). In dem Artikel wird das Recht auf Bildung betont, mit dem Ziel, weltweit die Inhalte der AEMR und damit gegenseitigen Respekt, Freundschaft, Frieden, Wohlstand und Entwicklung als Garanten für ein würdevolles Leben zu fördern.






Der Artikel geriet lange in Vergessenheit und diente in Zeiten des Kalten Krieges allenfalls als politischer Spielball. Er galt als unrealistisch, nicht finanzierbar oder unvereinbar mit nationalen Ausbildungsplänen. Mit dem Aktionsprogramm wurde er 1993 wieder zum Leben erweckt. Dabei betonten die Delegierten, dass nunmehr alle Menschenrechte, egal ob politische, kulturelle, wirtschaftliche oder soziale, gleichermaßen vermittelt und gelehrt werden sollen. Die Idee eines Aktionsprogramms zur Menschenrechtsbildung wurde getrieben von einem Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen (non-governmental organizations, NGOs), wie der Peoples Decade for Human Rights Education, Amnesty International (AI) und Human Rights Education Associates (HREA), und der UNESCO, die bereits im Vorfeld der Wiener Konferenz für eine UN-Dekade für Menschenrechtsbildung lobbyiert hatten. Dabei beriefen sie sich nicht nur auf die Ziele der Vereinten Nationen, sondern auch auf ihre langjährigen Erfahrungen und die Expertisen auf diesem Gebiet. Diese Form der Förderung der Menschenrechte, so die Akteure und Lobbyisten, sei das wichtigste Instrument, um die Idee der AEMR und die internationalen Menschenrechtsnormen und Standards, die Bill of Rights,[2] zu verbreiten. Menschenrechtsbildung heißt in diesem Kontext, Menschen über ihre Rechte aufzuklären und sie dadurch zu befähigen, diese einzufordern und Möglichkeiten ihrer Anwendung zu nutzen - für sich selbst oder für andere. Damit decken sich die Forderungen der NGOs mit dem Anliegen der Vereinten Nationen. Denn mit der Umsetzung der AEMR wird das Ziel verfolgt, eine Kultur der Menschenrechte zu schaffen, in der alle Menschen ihre Rechte kennen und danach leben (können).

Fußnoten

1.
Vgl. Frauke Weber, Ein Nationaler Aktionsplan für Menschenrechte für Deutschland, Deutsches Institut für Menschenrechte, Berlin September 2003, S. 15 - 16.
2.
Zur Bill of Rights gehören die AEMR, die Internationale Konvention für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, die Internationale Konvention für zivile und bürgerliche Rechte (beide 1966) sowie die freiwilligen Protokolle zur letztgenannten Konvention und zur Abschaffung der Todesstrafe (1989). Insgesamt handelt es sich inzwischen weltweit um über 200 Konventionen und Deklarationen. Eine aktuelle Zusammenstellung aller internationaler Menschenrechtsverträge ist auf der Webseite des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte: www.ohchr.org (10.10. 2008).