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10.10.2008 | Von:
Dieter Weiss

Deutschland am Hindukusch

"... es wird noch lange dauern"

Weithin unreflektiert sind auch die mutmaßlichen Zeithorizonte der Militärpräsenz. Aus der Sicht des Afghanistan-Konzepts der Bundesregierung kann die Intervention "dann beendet werden, wenn der Aufbau afghanischer Polizei und Armee soweit fortgeschritten ist, dass die afghanische Regierung selbst für ein sicheres Umfeld sorgen kann, das Wiederaufbau und nachhaltige Entwicklung erlaubt."[43] Oberst Kjell Inge Bakken, der Kommandeur der norwegischen Quick Reaction Force, die im Juli 2008 von einem deutschen Kontingent abgelöst wurde, meinte: "Es wird vielleicht noch zehn, 15 Jahre dauern."[44] Der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck erklärt in einem Interview: "Ich sage: Wir müssen drin bleiben. Es wird noch lange dauern, bis wir das Land verlassen können. In zehn Jahren werden wir wissen, wo wir stehen."[45] In der von Bundesaußenminister Steinmeier vor dem Deutschen Bundestag abgegebenen Regierungserklärung zu Afghanistan vom 25. Juni 2008 ist noch undeutlicher die Rede von einer militärischen Präsenz, "die zum Ziel hat, sich eines Tages selbst überflüssig zu machen."[46] Verlautbarungen anderer stakeholders sprechen von einem Verbleib bis 2013, oder von ein bis zwei Jahrzehnten wie auf dem Balkan. Schwer vorstellbar erscheint, dass die afghanische Seite ein allmähliches, ungeplantes Hineindriften in eine protektoratsähnliche Dauerdominanz akzeptiert, etwa unter dem Schirm der UN und bei de facto eingeschränkter Souveränität.

Fußnoten

43.
Presse- und Informationsdienst (Anm. 6), S. 13.
44.
Der Tagesspiegel vom 1.7. 2008.
45.
Der Tagesspiegel vom 6.7. 2008.
46.
Auswärtiges Amt, Bundesaußenminister Steinmeier vor dem Deutschen Bundestag, Regierungserklärung zu Afghanistan, Berlin, 25.6. 2008, S. 3.