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Abstieg - Prekarität - Ausgrenzung

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    Begriffe wie "Klassengesellschaft", "Arbeiterklasse" oder "Proletariat" waren lange Zeit weitgehend aus dem öffentlichen Sprachgebrauch verschwunden. Fast schien es so, als gäbe es sie nicht mehr – Menschen, die in prekären Verhältnissen leben. Die heute als "Prekariat" bezeichneten Betroffenen sind allerdings keine fest umrissene sozialstrukturelle Gruppe oder Klasse. Sie befinden sich in einer "Zwischenzone", pendeln zwischen sicheren und unsicheren Sphären der Arbeitswelt hin und her. Auf unterschiedlichen Ebenen der Gesellschaft schlagen sich Menschen heute mit Minijobs, Praktika, Leiharbeit, befristeten, vielfach extrem niedrig bezahlten Tätigkeiten oder staatlicher Grundsicherung durch. Sozialwissenschaftler nennen sie "Grenzgänger am Arbeitsmarkt".

    Politikerinnen und Politiker sind aufgefordert, auf Ausgrenzungserfahrungen und Abstiegsängste der Menschen zu reagieren und ein Klima gesellschaftlicher Stabilität zu schaffen. Es gilt, dem sich ausbreitenden Gefühl, die Politik könne nichts ausrichten, tatkräftig entgegenzutreten: Wenn Politikverdruss nicht in Systemverdruss umschlagen soll, dann müssen sich die demokratischen Parteien stärker als bisher für eine integrative, dem Prinzip der sozialen Gerechtigkeit verpflichtete Politik einsetzen.

       
  • Katharina Belwe

    Editorial

    Die Angst davor, die Arbeit zu verlieren und dann vielleicht zu jenen gezählt zu werden, die nur noch von Unterstützungsleistungen leben, diszipliniert nicht nur, sie führt auch zur Entsolidarisierung. Weiter...

    Klaus Dörre

    Armut, Abstieg, Unsicherheit: Die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts - Essay

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    Nicole Burzan

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    Auch in er Mitte der Gesellschaft gibt es inzwischen prekäre Lebensverhältnisse. Es wird untersucht, was diese "Mitte" kennzeichnet, bevor sich der Blick auf Abstiegsprozesse und den Zusammenhang mit subjektiven Verunsicherungen richtetet. Weiter...

    Berthold Vogel

    Prekarität und Prekariat - Signalwörter neuer sozialer Ungleichheiten

    Veränderungen der Arbeitswelt haben neue soziale Ungleichheiten zur Folge: Prekarität und Prekariat. Damit im Zusammenhang stehen Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der politischen Gestaltung des Sozialen. Weiter...

    Peter Bescherer, Silke Röbenack, Karen Schierhorn

    Nach Hartz IV: Erwerbsorientierung von Arbeitslosen

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    Helga Pelizäus-Hoffmeister

    Unsicherheiten im Lebensverlauf um 1900 und um 2000

    Unsicherheiten im Lebensverlauf werden heute viel tief greifender wahrgenommen als in früheren Zeiten. Geringere eigene Kontrollmöglichkeiten bei gleichzeitig gestiegener individueller Verantwortung für die eigene Lebensplanung könnten die Ursache sein. Weiter...

    Gero Neugebauer

    Die Unterschicht und die Parteien

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