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24.7.2008 | Von:
Björn Opfer-Klinger

Zwischen äußerer Stabilisierung und innerer Krise: Mazedonien im Sommer 2008

Die Republik Mazedonien steht vor kurz vor der Aufnahme in die NATO und vor EU-Beitrittsverhandlungen. Zuvor muss sie den Namensstreit mit Griechenland überwinden und einen Weg aus dem Machtkampf ihrer albano-mazedonischen Eliten finden.

Einleitung

Das kleine Balkanland Mazedonien, das von Josip Broz Tito nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als sozialistische Teilrepublik innerhalb des jugoslawischen Staates gegründet wurde und das schließlich 1991 die staatliche Unabhängigkeit erklärte, könnte in der europäischen Außenwahrnehmung diffuser nicht erscheinen. Dies beginnt bereits bei der ethnischen Einordnung der "Mazedonier" bzw. der Frage nach der Existenz einer eigenständigen mazedonischen Sprache. Dahinter stehen Konflikte, die seit der Herausbildung der ersten südosteuropäischen Nationalstaaten im 19. Jahrhundert Europa immer wieder erschüttert und in Atem gehalten haben. Vertreten in Deutschland einige Wissenschaftler die These, es habe vor 1944 keine mazedonische Sprache und keine mazedonische Nation gegeben - wie etwa der Südosteuropahistoriker Stefan Troebst -, attestieren vehemente Verfechter der gegenteiligen These - so etwa der Gießener Balkan-Experte Wolf Oschlies - dem Mazedonischen eine bis ins 9. Jahrhundert zurückreichende Geschichte, welches dann ab 1944 nur noch seine letztendliche hoch- und standardsprachliche Kodifizierung erfahren habe.[1] Auch wenn sich eine Annäherung in dieser Frage bislang nicht abzeichnet, so ist doch unzweifelhaft, dass sich der überwiegende Teil der Bewohner Mazedoniens heute mit ihrem Staat identifiziert.






Nicht minder widersprüchlich war und ist die Wahrnehmung des Landes seit dem Zerfall Jugoslawiens. Von vielen lange Zeit als nicht lebensfähiger Kleinstaat abgetan, mutierte Mazedonien schließlich nach der Kosovokrise 1998/99 zum Vorzeigeobjekt der Europäischen Union (EU) für eine scheinbar gelungene europäische Außen- und Sicherheitspolitik. Mazedonien galt plötzlich vielen als Hort der Stabilität in einer von Krisen und Konflikten gebeutelten Region. Obwohl sich das Land heute mitten im europäischen Integrationsprozess befindet, erscheint diese Stabilität wieder mehr als fragwürdig - und stellt die EU und die NATO vor neue Herausforderungen.

Fußnoten

1.
Vgl. Wolf Oschlies, Makedonien 2001 - 2004. Kriegstagebuch aus einem friedlichen Land, Berlin 2004, S. 11f.