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24.7.2008 | Von:
Jackson Janes
Tim Stuchtey

Making Money by Doing Good

Individuelle Freiheit vs. Wohlfahrtsstaat

Das amerikanische und das deutsche Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell unterscheiden sich wesentlich durch ihre Geschichte und Tradition. So wird in den USA der Wert der individuellen Freiheit höher bewertet als die gesellschaftliche (und vom Staat durchgesetzte) Solidarität zwischen den Bürgerinnen und Bürgern. Entsprechend wird die individuelle Verantwortung für die eigenen Lebensumstände stärker gewichtet als die kollektive Daseinsvorsorge. Daraus ergibt sich ein wesentlich schlankerer Staat, der weit weniger Leistungen bereitstellt, als dies in Deutschland der Fall ist. Der Wohlfahrtsstaat deutscher Prägung definiert dagegen die Daseinsvorsorge großzügig und besetzt dabei häufig Lebens- und Wirtschaftsbereiche, die in den USA offen für bürgerschaftliches oder unternehmerisches Engagement sind. Für beide Seiten des Atlantiks aber gilt, dass die Qualität der staatlich hergestellten öffentlichen Güter aufgrund überlasteter öffentlicher Haushalte häufig mangelhaft ist und durch das Engagement Dritter ergänzt und verbessert werden kann.

Die Selbstverständlichkeit, mit der in den USA privates Engagement eingefordert wird, mag deutsche Beobachter manchmal erstaunen. Ebenso erstaunlich ist es aber, dass, während Staat und Verwaltung in den USA häufig sogar darauf angewiesen sind, Geld- oder Sachspenden für ihre Projekte von Individuen oder Unternehmen zu gewinnen und sich entsprechend offen und flexibel gegenüber Spendern zeigen, in Deutschland das gesellschaftliche Engagement eines Unternehmens oder einer Einzelperson noch immer eher skeptisch gesehen wird. Solch ein Engagement wird nicht selten von Politik und Verwaltung als Bedrohung für die eigene Daseinsberechtigung angesehen, weil hierdurch natürlich deren Entscheidungskompetenz eingeschränkt wird.

So sind in den USA Unternehmen oder deren freiwillig und unentgeltlich arbeitende Mitarbeiter nicht nur in die Arbeitsabläufe und Organisation entsprechender Projekte eingebunden, sondern erhalten darüber hinaus Mitentscheidungsmöglichkeiten in relevanten Fragen und Gremien.[1] Ehrenamtliche Mitarbeiter oder unternehmerisches Engagement in staatlichen Einrichtungen müssen sich in Deutschland dagegen meistens mit symbolischer Dankbarkeit zufrieden geben. Bürgerschaftliches Engagement findet hier mit Verweis auf die mangelnde demokratische Legitimation häufig dann seine Grenzen, wenn daraus Entscheidungsgewalt abgeleitet wird.

Fußnoten

1.
Vgl. Holger Backhaus-Maul, Bürgerschaftliches Engagement in den USA: Sozialkulturelle Traditionen und professionelles Management, in: Dieter Schöffmann (Hrsg.), Wenn alle gewinnen. Bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen (Edition Körber Stiftung), Hamburg 2001, S. 33.