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24.7.2008 | Von:
Jackson Janes
Tim Stuchtey

Making Money by Doing Good

Eigentum verpflichtet?

Das Konzept des Citoyen, auf das auch das Verständnis des amerikanischen Citizen zurückgeht, wird mit dem revolutionären Gedankengut der Aufklärung des 18. Jahrhunderts assoziiert. Der Bürger wurde als Mitglied der Republik gesehen, die wiederum alle Bürger als frei und gleich verstand. Die inhaltliche Ausgestaltung dieses Konzeptes unterliegt in einer lebendigen Demokratie einer fortwährenden Debatte. Das Ausmaß und die Ausgestaltung von Rechten und Pflichten, Verantwortlichkeiten und Privilegien eines Bürgers sind Bestandteil des politischen Diskurses in Wahlkämpfen oder bei neuen Herausforderungen, wie sie sich etwa nach dem 11. September 2001 durch das Konzept der Homeland Security ergaben. Hier steht nun die Frage im Raum, wie man einem Unternehmen, also einer juristischen Person, Rechte und Pflichten auferlegt, die ansonsten der (natürliche) Bürger trägt.

Ist der kurze Satz im deutschen Grundgesetz (Art. 14), "Eigentum verpflichtet", als Aufforderung zu einer Corporate Citizenship zu verstehen? In der amerikanischen Verfassung findet sich ein solcher Satz nicht. Und in der Tat hat es hier immer wieder Meinungen gegeben, die in Unternehmen alles andere als Bürger mit Rechten und Pflichten sahen. So hat einer der ersten Richter am Supreme Court der Vereinigten Staaten, John Marshall, festgestellt, dass ein Unternehmen nichts anderes sei als ein künstliches Wesen, dessen Existenz auf rein rechtlichen Grundlagen beruhe. Der Ökonom Milton Friedman konstatierte, dass Unternehmen keine anderen Verpflichtungen hätten als so viel Geld für ihre Eigentümer zu erwirtschaften, wie es ihnen im gesetzlichen Rahmen möglich sei.[2] Und tatsächlich muss man sich fragen, ob nicht besser der Eigentümer/Aktionär eines Unternehmens im Rahmen seines individuellen bürgerschaftlichen Engagements Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen soll statt der juristischen Person "Unternehmen".

Allerdings kann man feststellen, dass die Interessen einer großen, weltweit agierenden Aktiengesellschaft an einem funktionierenden Gemeinwesen den Fokus des einzelnen Aktionärs überschreiten und man daher eine eigenständige Corporate Social Responsibility des Unternehmens ableiten kann. Auch sind die Interessen eines solchen Unternehmens vielfältiger als bei einer traditionellen Personengesellschaft mit einer Unternehmerpersönlichkeit als Eigentümer. Gleichwohl würden in den USA viele diese These verneinen. Obgleich die USA führend in Sachen Philanthropie sind, darf man nicht aus den Augen verlieren, dass sich etwa 75 Prozent der amerikanischen Unternehmen nicht an Wohltätigkeitsprogrammen beteiligen. Sie glauben, was Präsident Calvin Coolidge einmal sagte: The business of America is business.

Dennoch, 25 Prozent der Unternehmen haben entschieden, dass sie eine Verantwortung haben, die über die reine Gewinnerzielung hinausgeht. Mit der Frage also, was "gut" für die Gesellschaft ist, beschäftigen sich nicht mehr nur Menschen im öffentlichen, privaten und im so genannten Non-Profit-Bereich. Die Frage übt auch einen gewaltigen Druck auf die Gestaltung des Leitungs- und Entscheidungssystems der Unternehmen aus. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass Unternehmen als Corporate Citizens selbstlos handeln. Vielmehr gilt es, durch das Engagement des Unternehmens bzw. seiner Mitarbeiter die Unternehmensumwelt so zu gestalten, dass dies auch für die Unternehmensentwicklung positiv ist. Am offensichtlichsten ist dies bei der großen Unterstützung des Bildungs- und Hochschulbereichs durch Unternehmen, die weit über das hinaus geht, was man in Deutschland beobachten kann. Hierin zeigt sich einer der wesentlichen Unterschiede zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Verständnis von Corporate Citizenship: Während in den USA 63 Prozent der Unternehmen glauben, dass ihr bürgerschaftliches Verhalten einen messbaren wirtschaftlichen Effekt hat, trifft das in Deutschland gerade einmal auf 40 Prozent zu.[3]

Fußnoten

2.
Vgl. Milton Friedman, The Social Responsibility of Business is to Increase its Profits, in: The New York Times Magazine vom 13.9. 1970.
3.
Vgl. Centrum für Corporate Citizenship Deutschland (CCCD), Corporate Citizenship in Germany and a Transatlantic Comparison with the USA, Berlin 2007, S. 29.