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24.7.2008 | Von:
Jackson Janes
Tim Stuchtey

Making Money by Doing Good

Philanthropisches Bewusstsein

Vor hundert Jahren trat die Welt in eine Epoche ein, die später angesichts der Überlegenheit der Vereinigten Staaten in vielerlei Hinsicht das "Amerikanische Jahrhundert" genannt werden sollte. Geprägt war diese Zeit von der enormen und raschen Industrialisierung, die weit reichende Veränderungen und riesigen Wohlstand mit sich brachte. Corporate Citizenship war dabei zunächst ein unbekanntes Konzept. Großunternehmer wie John Rockefeller, J. P. Morgan, Henry Ford und Andrew Carnegie bauten riesige Firmen auf und kämpften gegen Regierungen ebenso wie gegen Gewerkschaften. Ihr Credo prägte John Paul Getty: I believe that able business leaders who create wealth and employment are more worthy of historical notice than politicians or soldiers.

Dieselben Unternehmer aber engagierten sich auch persönlich in Wohltätigkeitsprogrammen, in der Kunst oder der Bildung - ein Trend, den erfolgreiche Unternehmer bis heute fortsetzen, wie das etwa Bill Gates oder Ted Turner demonstrieren. Zahlreiche Bibliotheken, Krankenhäuser, Universitäten und Konzerthallen in den USA wurden durch große Schenkungen solcher Persönlichkeiten geschaffen. Und das verweist auf einen wichtigen Punkt: Im Jahr 2006 betrug der Umfang der wohltätigen Schenkungen in den USA 295 Milliarden US-Dollar - davon kamen 75,6 Prozent von Privatpersonen. "Nur" 12,72 Milliarden US-Dollar wurden unmittelbar durch Unternehmen oder Unternehmensstiftungen gespendet.[4]

Es waren vor allem die 1930er und dann wieder die 1950er Jahre, in denen das corporate giving, Schenkungen seitens der Unternehmen, explosionsartig anstiegen. Dafür verantwortlich ist zum einen ein Gesetz von 1935, mit dem es die Roosevelt-Administration den Unternehmen erlaubte, von ihren Steuern bis zu fünf Prozent des Gewinnes vor der Steuer für gemeinnützige Zwecke abzusetzen.

Und es waren zwei weitere Innovationen in den 1950er Jahren, die mehr Unternehmensspenden ermöglichten: Zum einen war es Unternehmen nun erlaubt, Schenkungen an Organisationen und Institutionen außerhalb ihres Geschäftsbereiches zu machen. Und zum zweiten wurde ein Programm bei General Electric eingeführt, welches es allen Mitarbeitern ermöglichte, Schenkungen an ihre Colleges und Universitäten vorzunehmen, die dann vom Unternehmen um den jeweiligen Spendenbetrag erhöht - und damit verdoppelt - wurden. Im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte übernahmen mehr als 6000 Unternehmen diese Matching-Fund-Praxis. Das generierte mehrere Milliarden US-Dollar für Non-Profit-Organisationen und primär für Universitäten.

Die Unternehmen begannen, verstärkt Fördermittel an eine Vielzahl von Organisationen zu geben. Einige dieser Zuwendungen wurden ausgelöst durch die wachsende Aufmerksamkeit für bestimmte soziale Themen, mit der sich Unternehmen in den 1960er Jahren durch eine kritischere Öffentlichkeit konfrontiert sahen. Die Bürgerrechtsbewegung warf Fragen über die Racial-hiring-Praktiken von Unternehmen auf. Die Frauenbewegung thematisierte die Gleichberechtigung. Es wurde auch nach der Einbindung der Unternehmen in ihr unmittelbares lokales Umfeld gefragt und nach den Umweltfolgen unternehmerischer Aktivitäten. Die Unternehmen sahen sich sogar von internationalen Themen berührt - zum Beispiel der Kritik am Handel mit Südafrika und Rhodesien, dem späteren Zimbabwe.

Der Druck auf die Unternehmen wurde grundsätzlich gesteigert durch investigative Medien, die Entstehung des Internets und eine zunehmende Zahl kritischer und aktiver Aktionäre sowie Investmentfonds mit ethischen Investitionsregeln. Dies alles verstärkte die Erwartungen gegenüber Unternehmen, sich in gemeinnützige Programme und Projekte einzubringen.

Fußnoten

4.
Vgl. www.pgdc.com/pgdc/news-story/2007/06/26/u-s-charitable-giving-reaches-295 - 02-billion-2006 (18.6. 2008).