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24.7.2008 | Von:
Judith Polterauer

Corporate-Citizenship-
Forschung in Deutschland

Auch wenn die sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Forschung zu Corporate Citizenship noch am Anfang steht, lassen sich erste Charakteristika der Forschungslandschaft beschreiben.

Einleitung

Die Themen Corporate Citizenship (CC) und Corporate Social Responsibility (CSR) sind nicht nur als polarisierende Aufmerksamkeitsbeschaffer in Publikumsmedien, öffentlichen Veranstaltungen, Unternehmensabteilungen, Beratungsangeboten und Politikformulierungen präsent.[1] Zunehmend wird das gesellschaftliche Engagement und die Verantwortung von Unternehmen auch in der Forschung thematisiert.[2] Es dominieren zwar bisher Master- und Diplomarbeiten, kleinere Studien und Auftragsforschungen, aber einige aktuelle Forschungsprojekte lassen auf eine zunehmende wissenschaftliche Diskussion schließen und hoffen.




So setzt sich eine kürzlich erschienene Publikation im Rahmen des Kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs "Medienumbrüche" ausführlich mit Konzepten und Forschungsergebnissen zu Corporate Citizenship und der Rolle von Konsumenten auseinander,[3] und im Sonderforschungsbereich (SFB) 700 der Deutschen Forschungsgemeinschaft "Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit" wird CSR als eigenständiges Thema berücksichtigt.[4] Auch die Sektionstagung "Soziologische Theorien" der Deutschen Gesellschaft für Soziologie im Oktober 2007 mit dem Titel "Die Gesellschaft der Unternehmen - Die Unternehmen der Gesellschaft" bezog sich an verschiedenen Stellen auf die Konzepte von CSR und CC. Nicht zuletzt lässt auch die neue Buchreihe "Wirtschaft und Gesellschaft" in Zukunft eine verstärkte Berücksichtigung des Themas erwarten.[5]

Gleichwohl steht die wissenschaftliche Forschung noch am Anfang und müht sich mit Phänomenbestimmung, Begriffsabgrenzung und Verortung des Phänomens in den Einzeldisziplinen. Auch wenn man von einer Begriffsklärung noch weit entfernt ist - dies gilt sowohl für die Forschungsdisziplinen wie auch für die Demarkation zwischen ihnen -, und auch wenn die Abgrenzung beider Begriffe voneinander sowie zu inhaltsverwandten Konzepten wie Nachhaltigkeit, Wirtschafts- und Unternehmensethik unklar ist, entwickelt sich allmählich eine gemeinsame Diskussionsgrundlage: Beide Begriffe verweisen auf die Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft, die einerseits (CC) mit Referenz zum Bürgerschafts-, Bürgergesellschafts-, Bürgerengagement- und Bürgerrechtsbegriff und andererseits (CSR) mit Bezug zum Verantwortungsbegriff spezifiziert wird.[6]

Fußnoten

1.
Den Hintergrund dieses Beitrags bildet eine Teilstudie im Rahmen einer breiter angelegten Untersuchung über "Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen in Deutschland. Eine sozialwissenschaftliche Bestandsaufnahme der Potenziale unternehmerischen bürgerschaftlichen Engagements". Die Untersuchung zielt darauf ab, den Forschungsstand und die gesellschaftspolitische Diskussion in ihren internationalen Bezügen zu rekonstruieren. Sie wird durchgeführt in Kooperation zwischen dem Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement an der Universität Paderborn und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wie auch dem Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung (zze) mit Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Der Ergebnisbericht wird im Jahr 2009 veröffentlicht. In diesem Beitrag werden ausgewählte Befunde vorab präsentiert.
2.
Vgl. Holger Backhaus-Maul/Christiane Biedermann/Stefan Nährlich/Judith Polterauer (Hrsg.), Corporate Citizenship in Deutschland, Wiesbaden 2008.
3.
Vgl. Sigrid Baringhorst/Veronika Kneip/Annegret März/Johanna Niesyto (Hrsg.), Politik mit dem Einkaufswagen, Bielefeld 2007.
4.
Vgl. auch Peter Imbusch/Dieter Rucht (Hrsg.), Profit oder Gemeinwohl? Fallstudien zur gesellschaftlichen Verantwortung von Wirtschaftseliten, Wiesbaden 2007.
5.
Im VS-Verlag, Wiesbaden.
6.
Vgl. Ulf Schrader, Corporate Citizenship: Die Unternehmung als guter Bürger? Berlin 2003; Thilo Pommerening, Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen, Diplomarbeit, FU Berlin, 2005.