Editorial
Piepenbrink, Johannes
7.7.2008
Auch im Vorfeld der diesjährigen Wettkämpfe wurde darüber debattiert, ob das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Ausrichtung an einen nicht demokratischen, kommunistisch geführten Staat hätte vergeben dürfen, in dem die gesellschaftliche Öffnung der wirtschaftlichen weit hinterherhinkt. Für viele stehen die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in China im starken Gegensatz zu den hehren olympischen Werten. Boykotterwägungen wurden jedoch schnell verworfen. Die Erfahrungen der Spiele von Moskau 1980 und Los Angeles 1984 haben gelehrt, dass ein Fernbleiben nur den Sportlerinnen und Sportlern schaden würde.
Dennoch wäre es falsch, der Frage nach der Vereinbarkeit der olympischen Idee mit den Zuständen im jeweiligen Ausrichterland von vornherein die Legitimität abzusprechen. Sie zu stellen, ist allein deshalb berechtigt, weil sie eine intensive Auseinandersetzung mit dem Land stimuliert - eine notwendige Voraussetzung für ein besseres interkulturelles Verständnis. Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass China seine Chance sportlich und ökonomisch nutzen wird. Ob es sie auch in gesellschaftlicher Hinsicht nutzen kann und will, wird sich erst lange nach den Spielen zeigen.

