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Olympische Spiele und Politik


7.7.2008
Als eines der größten globalen Kulturereignisse haben die Olympischen Spiele seit jeher politische Begehrlichkeiten geweckt. Substantielle Beiträge zur Friedensförderung kann die olympische Bewegung jedoch nicht leisten.

Einleitung



In diesem Olympiajahr ist ein uralter Streit in aller Schärfe neu entbrannt: Ist Sport politisch?[1] Sport ist ein Feld kulturell-schöpferischen Handelns, ein enger Verwandter der Künste. Sportliches Handeln inszeniert dramatische Geschichten. In ihnen wirken in einem künstlich entfachten Streit mehrere Parteien, welche sich gegenseitig in ihrem Streben nach Selbstvervollkommnung benötigen, an der Hervorbringung von Sportereignissen als ästhetischen Werken zusammen. Olympische Spiele sind vor allem anderen ein globales Sportereignis, ein sportdominiertes Gesamtkunstwerk und als solches Teil des Weltkulturerbes. Bei einem solchen Blick auf den Eigensinn der Olympischen Spiele ist offensichtlich, dass ihre Sinnstruktur denkbar weit entfernt ist von der Sinnstruktur politischen Handelns.






Darüber hinaus ist der olympische Sport wie jede kulturell-schöpferische Tätigkeit hochgradig verletzlich und reagiert besonders empfindlich auf rücksichtslose Übergriffe politischer Mächte. Deshalb ist für die Sportorganisationen politische Zurückhaltung geboten, der Verzicht darauf, sich heroisch in eskalierende tagespolitische Getümmel zu stürzen, wie es manche gern sehen würden. Wie weit dabei der autonome kulturelle Eigensinn des Sports respektiert, befolgt, gefördert, zumindest geduldet wird: Das ist die Messlatte zur Beurteilung jeglichen sportlichen, pädagogischen, ökonomischen oder politischen Handelns in diesem Sinnbezirk. Diese Befunde zusammengenommen ergeben die erste These: Der olympische Sport ist nicht politisch.


Fußnoten

1.
Da auf Einzelnachweise verzichtet wird, vgl. folgende grundlegende Arbeiten zur olympischen Philosophie, Kultur- und Zeitgeschichte, auf welche die vorliegende Argumentation vielfach Bezug nimmt: Richard Espy, The Politics of the Olympic Games, Berkeley 1979; Walter Gloede, Sport: Unbekannte Größe im politischen Spiel, München 1980; Ommo Grupe (Hrsg.), Olympischer Sport. Rückblick und Perspektiven, Schorndorf 1997; ders. (Hrsg.), Einblicke. Aspekte olympischer Sportentwicklung, Schorndorf 1999; Sven Güldenpfennig, Olympische Spiele als Weltkulturerbe, Sankt Augustin 2004; ders., Denkwege nach Olympia, Sankt Augustin 2006; ders., Sport verstehen und verantworten, Sankt Augustin 2007; ders., Olympische Spiele 2008 in Beijing? (i.E.); Allen Guttmann, The Olympics. A History of the Modern Games, Illinois 2002; Hans Lenk, Werte, Ziele, Wirklichkeit der modernen olympischen Spiele, Schorndorf 1972; Niklas Luhmann, Die Politik der Gesellschaft, Frankfurt/M. 2002; Ulrich Sinn, Das antike Olympia. Götter, Spiel und Kunst, München 2004; Helmut Schelsky, Friede auf Zeit. Die Zukunft der Olympischen Spiele. Osnabrück 1973; Dolf Sternberger, Die Politik und der Friede, Frankfurt/M. 1986.