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26.5.2008 | Von:
Lavanya Rajamani

Indiens internationale Klimapolitik

Die Klimapolitik neu überdacht

Es bestehen immense Unterschiede zwischen den Emissionswerten, den Rohstoffkapazitäten und den Entwicklungsanforderungen der verschiedenen Länder. Und einige entwickelte Länder haben Schwierigkeiten, selbst die bescheidenen Ziele der Klimaverträge zu erfüllen. Aus den jüngsten Nationalberichten (National Communications) der Annex-1-Vertragspartner[25] geht hervor, dass diese Länder als Gruppe ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2005 auf 2,8 % unter die Werte von 1990 gesenkt haben. Der Großteil der Reduktionen wurde allerdings in Ländern erzielt, deren Wirtschaft sich in einer Übergangsphase befindet. Dort liegen die Emissionen um 35,2 % unter den Werten von 1990. In den anderen Annex-I-Ländern sind die Emissionen insgesamt um 11 % angestiegen.[26] Darunter sind zwar die EU-Staaten und möglicherweise auch Japan auf dem Weg, ihre Kyoto-Verpflichtungen zu erfüllen, die anderen jedoch nicht. Die Emissionen der USA liegen 16,3 % über den Werten von 1990, Kanada übertrifft sie um 25,3 %, Australien sogar um 25,5 %.[27] Angesichts der zweifelhaften (oder zu vernachlässigenden) Führungsrolle der entwickelten Länder, der Entwicklungserfordernisse Indiens und des Systems der Lastenaufteilung innerhalb der Klimagesetzgebung ist die indische Position durchaus vertretbar. Indien erwartet, dass die internationale Gemeinschaft angemessene Mechanismen entwickelt, um geschichtliche Fehler anzuerkennen und wieder gut zu machen. Dies allein würde zwar nicht ausreichen, um Umweltschutzziele zu erreichen, doch würde es helfen, das notwendige Vertrauen zu bilden, um den Umweltdialog zu ermöglichen und ihn produktiv zu gestalten. Mit dieser Haltung hinterfragt Indien die vorherrschende und scheinbar neutrale Darstellung der globalen Umweltproblematik durch die entwickelten Länder. Der indische Standpunkt bringt Historizität in die Verhandlungen und hilft so, eine globale Darstellung zu entwickeln, welche die Bedürfnisse der Entwicklungsländer berücksichtigt; insofern spielt Indien hier eine wichtige Rolle.

Insgesamt gesehen ist Indiens Standpunkt jedoch weder klug noch einfallsreich. Und er entspricht ganz gewiss nicht dem bevorzugtem Selbstbild einer selbstbewussten, jungen, dynamischen Nation, die die Welt im Sturm erobern möchte.

Fußnoten

25.
Anm. d. Red.: Gemäß Klimarahmenkonvention berichten die Vertragsparteien regelmäßig in Nationalberichten über den Stand der Umsetzung des Abkommens. Die sog. Annex-I-Länder sind die Staaten, die sich verpflichtet haben, ihre Emissionen bis zum Jahr 2000 auf das Niveau von 1990 zu reduzieren (festgelegt im Annex I der Klimarahmenkonvention). Mit ihnen sind im Wesentlichen die Industrieländer gemeint.
26.
Vgl. National greenhouse gas inventory for the period 1990 - 2005, 24. 10. 2007, in: www.unfcc.int/resource/docs/2007/sbi/eng/
30.pdf (25. 3. 2008).
27.
Vgl. ebd.