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21.4.2008 | Von:
Günther Schmid
Miriam Hartlapp

Aktives Altern in Europa

Ältere Menschen sind in Europa in sehr unterschiedlichem Umfang erwerbstätig. Dieser Beitrag zeigt die Unterschiede auf, diskutiert mögliche Gründe dafür und testet die Theorie mit einem einfachen statistischen Modell. Es werden vorbildliche Beispiele "aktiven Alterns" aus der europäischen Praxis vorgestellt.

Einleitung

Mark Twain sagte einmal: "Das Leben sollte im Alter beginnen, mit dessen Privilegien und den im Laufe der Zeit angehäuften geistigen und materiellen Schätzen. Enden aber sollte es mit der Jugend und deren Fähigkeit, dies alles zu genießen."[1] Diese Umkehrung des Lebenszyklus ist natürlich nur ein Traum. Der politisch gängige Begriff "aktives Altern" kann für die Wissenschaft jedoch als reizvolle Aufgabe betrachtet werden, denkbare Argumente dafür zu prüfen, wie sich dieser Traum wenigstens teilweise verwirklichen ließe. In erster Annäherung könnte aktives Altern demnach als die Möglichkeit verstanden werden, so lange am Erwerbsleben teilzunehmen, wie dies gewünscht wird.








Dabei wäre die Chance, Erwerbsarbeit mit anderen, selbst bestimmten Aktivitäten zu kombinieren, eine wesentliche Voraussetzung. Eine Politik, die sich diesem Ziel verschriebe, könnte zugleich dazu beitragen, die gegenwärtige Beschäftigungs- und Rentenkrise in den Griff zu bekommen. Aus der Perspektive von Mark Twains Traum wäre dies allerdings nur eine wichtige Nebenwirkung, nicht das Hauptanliegen aktiven Alterns. Im folgenden Essay möchten wir diese Position einnehmen, um ein Gegengewicht zu der in der gegenwärtigen Debatte vorherrschenden Konzentration auf Anreize zur Verlängerung der Lebensarbeitszeit zu setzen: Das Ziel aktiven Alterns scheint uns vielmehr darin zu liegen, das Spektrum der Wahlmöglichkeiten und die Freiheit des Handelns beim Übergang von der zweiten in die dritte Lebensphase zu erweitern.

Dieses Argument soll in vier Schritten entwickelt werden: Zunächst demonstrieren wir die enormen Unterschiede der Beschäftigungsquoten älterer Menschen (55 bis 64 Jahre) in Europa und erklären diese im zweiten Schritt mit Hilfe eines einfachen statistischen Modells. Im dritten Schritt fassen wir die allgemeinen Prinzipien für "aktives Altern" zusammen und erläutern diese schließlich durch vorbildliche Beispiele aus der europäischen Praxis.

Fußnoten

1.
Letter to Edward L. Dimmitt, July 19, 1901, in: Mark Twain's Letters 1901 - 1906, Vol. V, Project Gutenberg, www. gutenberg.org/text/3197 (5.3. 2008).