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21.4.2008 | Von:
Günther Schmid
Miriam Hartlapp

Aktives Altern in Europa

Beschäftigungsquoten Älterer in Europa

Einfache deskriptive Statistiken zeigen, dass im Jahre 2007 nur wenige Länder (Schweden, Estland, Finnland, Dänemark und Litauen) das in Lissabon für 2010 festgesetzte Ziel einer Beschäftigungsquote von 50 % der 55- bis 64-Jährigen (sowohl Männer als auch Frauen) erreicht haben. Zwar wird diese Vorgabe von den Männern bereits in vielen Ländern übertroffen, bei den Frauen scheitern jedoch noch die meisten EU-Mitgliedstaaten an der avisierten Zielgröße (vgl. Abbildung 1 der PDF-Version).

Seit der Annahme der Europäischen Beschäftigungsstrategie sind von der Mehrzahl der Mitgliedstaaten große Fortschritte in der Beschäftigungsquote Älterer erzielt worden. Dabei waren die Steigerungsraten bei den Frauen am stärksten. Seit 1998 - also in nur neun Jahren - hat beispielsweise Finnland die Beschäftigungsquote der Frauen um 23 Prozentpunkte und die Beschäftigungsquote der Männer um 17 Prozentpunkte steigern können. Neben Finnland weisen auch die baltischen Staaten, die Niederlande, Ungarn und Deutschland beachtliche Beschäftigungsanstiege älterer Frauen und Männer auf. Aber so beeindruckend die Entwicklung in der EU auch sein mag, sie bleibt doch weit hinter den Erfordernissen zurück. Um die in Lissabon avisierte Gesamtrate von 70 % Beschäftigungsquote bis zum Jahr 2010 zu erreichen, müssten nach Schätzungen der Europäischen Kommission ungefähr 50 % der zu schaffenden 15 Millionen Arbeitsplätze von Personen im Alter von 55 bis 64 Jahren besetzt werden. Voraussetzung für die Erreichung dieses ehrgeizigen Ziels wäre die Beschleunigung der Erhöhung der Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer (vgl. Abbildung 2 der PDF-Version).

Vor allem die Zahlen der Arbeitsplätze für gering qualifizierte Arbeitskräfte bleiben hinter den in Lissabon vereinbarten Quoten zurück; dagegen wird das Ziel für hoch Qualifizierte in allen Mitgliedstaaten schon weit übertroffen. So sind in Schweden 82 % der hoch qualifizierten Älteren beschäftigt, in Deutschland sind es nur etwa 68 %. Für niedrig qualifizierte Ältere wird das Ziel jedoch nur von Schweden, Großbritannien und Zypern erreicht. Sogar Finnland, das Musterland für "aktives Altern", muss noch einige Hausaufgaben erledigen, wenn für niedrig Qualifizierte die Lissabonner Messlatte übersprungen werden soll (vgl. Abbildung 3 der PDF-Version).

Eine höhere Qualifizierung allein bietet jedoch keine Lösung. Die Faktoren, die über Beschäftigung und Arbeitslosigkeit entscheiden, sind viel komplexer. Werfen wir einen kurzen Blick auf weitere mögliche Determinanten: Welche Kräfte drängen ältere Arbeitnehmer aus dem Arbeitsmarkt heraus (push factors)? Welche "ziehen" sie in die Erwerbstätigkeit hinein (pull factors)?