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21.4.2008 | Von:
Hartmut Seifert

Alternsgerechte Arbeitszeiten

Die aktuelle Entwicklung der Arbeitszeit torpediert das Ziel, zukünftig länger im Erwerbsleben verbleiben zu können. Längere Arbeitszeiten und zugleich vermehrte Schichtarbeit sind nicht alternsgerecht. Notwendig sind kürzere und belastungsärmere Arbeitszeiten.

Einleitung

Die Rente mit 67 ist beschlossen. Außerdem wurde das gesetzliche Rentenniveau abgesenkt. Angesichts dieser veränderten Bedingungen für den zukünftigen Renteneintritt sind die Beschäftigten gezwungen, länger erwerbstätig zu bleiben, wenn sie massive Abstriche bei den Alterseinkommen vermeiden wollen. Die Betriebe stehen vor der Herausforderung, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die den Beschäftigten einen längeren Verbleib im Erwerbsleben ermöglichen. Dieses Ziel ist ambitioniert. Denn bislang liegt das durchschnittliche Renteneintrittsalter noch gut sechs Jahre vom zukünftigen Zielwert entfernt. Bei isolierter Betrachtung der Renteneintritte infolge verminderter Erwerbsfähigkeit wächst der Abstand dramatisch auf fast 17 Jahre. Das Bild hellt sich auf, wenn man nur die Renteneintritte aus Altersgründen in den Blick nimmt, die 2006 durchschnittlich im Alter von 63,4 Jahren erfolgten. Aber auch dieser vergleichsweise günstige Wert liegt noch gut dreieinhalb Jahre von der zukünftigen gesetzlichen Altersgrenze entfernt.






Nur ein breites und gut aufeinander abgestimmtes Bündel an Maßnahmen ist geeignet, die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit zu verbessern und die Differenz zwischen gesetzlicher Ruhestandsgrenze und tatsächlichem Renteneintrittsalter spürbar zu verringern. Der Gestaltung der Arbeitszeit fällt dabei eine Schlüsselrolle zu. Sie hat starken Einfluss auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten und damit auf deren Möglichkeiten, überhaupt im Erwerbsleben verbleiben und weiterhin eine Tätigkeit ausüben zu können. Die Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit setzt ferner lebenslanges Lernen voraus, wofür nicht nur Geld, sondern auch Zeit während des gesamten Erwerbslebens aufzubringen ist.

Gemessen an diesen Anforderungen kann die aktuelle Arbeitszeitentwicklung nicht als alternsgerecht bezeichnet werden. Sollten sich die Arbeitszeittrends der vergangenen Jahre fortsetzen, werden sich die Bedingungen für einen längeren Verbleib im Erwerbsleben weiter verschlechtern. Vollzeitbeschäftigte arbeiten wieder länger. Gleichzeitig gewinnen belastende Arbeitszeiten während der Nacht und im Wechselschichtsystem an Bedeutung. Beide Entwicklungen zusammen erhöhen kumulativ den Grad der Belastungen. Ein alternsgerechtes Arbeitszeitkonzept erfordert dagegen ein Arbeitszeitregime, dessen Belastungen die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigen, sondern einen Verbleib im Erwerbsleben bis zum Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze sichern. Dazu gehört auch mehr Zeit für Weiterbildung, verteilt über die gesamte Erwerbsbiografie.

Im nachfolgenden Beitrag sollen erstens die These der nicht alternsgerechten Arbeitszeit näher ausgeführt und erhärtet und zweitens Ansätze für eine alternsgerechte Arbeitszeitgestaltung diskutiert werden. Dabei bleibt der Aspekt der Weiterbildungszeit ausgeblendet. Zunächst wird erörtert, welchen Einfluss die Arbeitszeit auf die Verweildauer im Erwerbsleben hat, bevor die aktuellen Trends in der Arbeitszeitentwicklung skizziert werden. Anschließend wird aufgezeigt, welche Risiken sie für alternsgerechtes Arbeiten bedeuten, und es werden einige Ansätze für ein alternsgerechtes Arbeitszeitregime diskutiert.