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21.4.2008 | Von:
Judith Kerschbaumer
Evelyn Räder

In Arbeit bleiben - wieder in Beschäftigung kommen

In den nächsten zwanzig Jahren wird die Zahl der 55- bis 64-Jährigen in Deutschland erheblich ansteigen. Damit Menschen länger arbeiten und länger in Arbeit bleiben können, müssen entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Einleitung

In den nächsten zwanzig Jahren wird die Zahl der 55- bis 64-Jährigen in Deutschland gegenüber 2005 um rund 40 Prozent ansteigen, regional sogar um bis zu 75 Prozent.[1] Die geburtenstarken Jahrgänge ("Babyboomer" der 1950er und 1960er Jahre) gehören jetzt und künftig zu den Älteren. Die Arbeitswelt ist auf den demographischen Wandel nicht eingestellt. Im Gegenteil: Eine die gesundheitlichen Ressourcen schonende und persönlichkeitsfördernde Arbeitsgestaltung ist die Ausnahme. Hinzu kommt, dass sich die Einstellung der Arbeitgeber zu älteren Beschäftigten, zu denen je nach Sichtweise Menschen ab 55, 50 oder bereits 45 gehören, nicht wesentlich verändert hat. Noch immer existiert die Vorstellung, Älterwerden gehe mit dem zwangsläufigen Verlust von geistiger und körperlicher Leistungsfähigkeit einher. Zu lange war es zu selbstverständlich, sich von älteren Beschäftigten mittels Vorruhestandsregelungen oder anderer Modelle zu trennen. Die Anhebung des Rentenzugangsalters, die Abschaffung von Rentenarten, welche die vorzeitige Inanspruchnahme einer Altersrente ermöglichen,[2] und nicht zuletzt die demographische Entwicklung mit der Folge alternder Belegschaften geben Anlass zum Umdenken.










Die Politik greift diese Entwicklungen mit speziellen Arbeitsmarktprogrammen für ältere Menschen auf, deren Effekte nur schwer nachweisbar sind. An den Rahmenbedingungen, die es ermöglichen müssen, dass Menschen länger arbeiten und länger in Arbeit bleiben, wird kaum angesetzt. Auch die Frage des Zugangs zu Erwerbsminderungsrenten sowie der Flexibilisierung des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand findet keine ausreichende Beachtung. Gleichzeitig sind - nicht zuletzt infolge von Rentenkürzungen, Niedriglöhnen und der nach wie vor bestehenden Massenarbeitslosigkeit - immer mehr Menschen von Altersarmut bedroht.

In diesem Beitrag werden Strategien zur Integration Älterer in den Erwerbsprozess untersucht und neue Wege aufgezeigt, um alters- und alternsgerechtes Arbeiten zu ermöglichen. Arbeitsfähigkeit darf deshalb nicht nur unter der Perspektive altersgerechten Arbeitens, also bezogen auf die Arbeitsbedingungen älterer Menschen, betrachtet werden. Vielmehr muss der Blick auch auf alternsgerechtes Arbeiten gerichtet werden, also auch auf den Prozess des Älterwerdens am Arbeitsplatz. Dieser Aspekt findet bisher zu wenig Niederschlag.

Fußnoten

1.
Vgl. Andreas Ebert/Ernst Kistler, Demographische Zukunft und die Herausforderungen an die Arbeitsgestaltung heute, in: Gute Arbeit, (2007) 12, S. 15ff., hier: S. 16.
2.
Die "Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit" und die "Altersrente für Frauen" wurde bereits durch die Rentenreform 1992 für alle nach dem 31. 12. 1951 Geborenen abgeschafft (§§ 237, 237 a SGB VI); Sechstes Buch - Rentenversicherung (SGB VI).