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21.4.2008 | Von:
Ralph Conrads
Ernst Kistler
Thomas Staudinger

Alternde Belegschaften und Innovationskraft der Wirtschaft

Abbauprozesse des Alterns lassen sich kompensieren. "Altern und Innovation" sind keine Widersprüche. Das Beispiel des lebenslangen Lernens zeigt, dass hierbei in Deutschland Möglichkeiten leichtfertig verschenkt werden.

Einleitung

Die Innovationskraft dürfte mit zunehmendem Alter der Mitarbeiter und Unternehmer schrumpfen und das gesamtwirtschaftliche Wachstumspotenzial dürfte sinken, da sowohl Arbeit knapper als auch technischer Fortschritt langsamer werden wird."[1] Norbert Walter, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, bringt mit diesem Satz eine Befürchtung zum Ausdruck, welche die weitgehend pessimistische Sicht der öffentlichen Debatte um den demographischen Wandel prägt: Ein kleiner werdendes und stark alterndes Erwerbspersonenpotenzial bedrohe die Innovationskraft und Produktivität der Wirtschaft, da es älteren Beschäftigten an der Innovationsbereitschaft und -fähigkeit sowie letztlich auch an der nötigen Leistungsfähigkeit mangele.














Der vorliegende Beitrag setzt sich nicht weiter mit dem Argument der Schrumpfung des Erwerbspersonenpotenzials auseinander. Nur so viel sei dazu festgehalten: Wenn realistische, mittlere Annahmen zur künftigen demographischen Entwicklung[2] und der Entwicklung der Erwerbsquoten[3] zu Grunde gelegt werden, ist keineswegs von einer kurz- oder mittelfristigen "demographischen Wende am Arbeitsmarkt" auszugehen.[4] Dass ein eklatanter Mangel an Arbeitskräften die Massenarbeitslosigkeit ablösen werde, scheint also unrealistisch.[5]

Fußnoten

1.
Norbert Walter, Deutsche - immer weniger und immer älter: Was ist zu tun?, in: Peter Speck (Hrsg.), Employability - Herausforderungen für die strategische Personalentwicklung, Wiesbaden 2004, S. 1.
2.
D.h. bei der 11. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung mittlere Annahmen zur Lebenserwartung, eine Konstanz der Geburtenraten und zwischen 100 000 und 200 000 Personen Nettozuwanderung. Das in den allerletzten Jahren niedrigere Wanderungssaldo ist vor allem der hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland geschuldet und wird sich wieder erhöhen, sollte der Aufschwung anhalten.
3.
Vgl. Prognos AG, Deutschland Report 2030, Basel 2006.
4.
Unterstellt man die mittleren Szenarien der 11. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung der Statistischen Ämter sowie die Annahmen der Prognos AG zur Entwicklung der altersspezifischen Erwerbsquoten, so wird das Angebot an Arbeitskräften - rein quantitativ - erst nach 2020 in relevantem Maß unter das Niveau des Jahres 2000 absinken.
5.
Die Rente mit 67 und die bisherigen wie künftigen Rentenabsenkungen führen höchstwahrscheinlich zu noch stärkeren Steigerungen der Erwerbsquoten als dort unterstellt (siehe bei Andreas Ebert u.a., Rente mit 67 - Probleme am Arbeitsmarkt, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), (2007) 4 - 5, S. 25 - 31.)