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14.4.2008 | Von:
Gerald M. Steinberg

Asymmetrie, Verwundbarkeit und die Suche nach Sicherheit

Die Bedrohung durch den Iran und die anhaltenden Terroranschläge belegen, dass das israelische Sicherheitsumfeld auch nach 60 Jahren gefährlich und instabil ist.

Einleitung

In den Augen vieler Europäer stellt Israel eine regionale Supermacht dar, die für den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten verantwortlich ist. Diese ideologisch gestützte Version der Geschichte lässt das diesem Konflikt innewohnende Machtungleichgewicht, die demographische Asymmetrie und andere Faktoren außer Acht, die den arabischen Staaten einen Vorteil verleihen, auf den Israel reagieren muss. Der Krieg der arabischen Staaten von 1948, der auf die Vernichtung des entstehenden Staates Israel abzielte, die anhaltende Feindseligkeit, der Terror und die gegen Israel gerichtete Gewalt werden oft zu wenig berücksichtigt, und der Konflikt von 1967 wird fälschlicherweise eher als Besatzungskrieg dargestellt denn als präventive Selbstverteidigung. In der Realität und im Kontext des Nahen Ostens ist die Sicherheit Israels weiterhin einer ernsten Bedrohung ausgesetzt, die von Terrorkampagnen bis hin zu iranischen Atomwaffen reicht.






Seit 60 Jahren ist der Staat Israel existenzieller Bedrohung und Gewalt ausgesetzt; sein Überleben ist das Ergebnis erfolgreicher Strategien und Taktiken. Dieser Zeitraum kann in Phasen eingeteilt werden, in denen sich die Natur der Bedrohung gewandelt hat und in denen unterschiedliche Reaktionen Israels gefragt waren. Die erste Phase von 1948 bis 1973 wird vor allem durch Auseinandersetzungen mit den Armeen der feindlichen Staaten gekennzeichnet - Ägypten, Syrien, Irak und Jordanien. Die hohen Kosten dieser Auseinandersetzungen und Israels Fähigkeit, sich von den Überraschungsangriffen des Yom-Kippur-Krieges von 1973 zu erholen, markierten das Ende solcher konventionellen Invasionen: Ägypten trat in den Friedensprozess ein, und Syrien war aus eigener Kraft zum erneuten Angriff nicht in der Lage. Seither allerdings hat sich die gegen die israelische Bevölkerung gerichtete Bedrohung sowohl durch Raketen mit nicht-konventionellen Gefechtsköpfen als auch durch Terroranschläge erhöht. Der Staat Israel feiert sechs Jahrzehnte des Überlebens und sieht sich zugleich mit fortgesetzter Gewalt konfrontiert: der Gewalt der Hisbollah in Syrien, der Hamas in Gaza und in geringerem Ausmaß im Westjordanland, einer Wiederaufrüstung Ägyptens, Spannungen mit Syrien sowie der Bedrohung durch das iranische Nuklear- und Raketenprogramm.

Die existenzielle Bedrohung, ein Ungleichgewicht und ein hohes Maß an Verwundbarkeit bestehen also weiter. Die Verwundbarkeit ist ebenso sehr geographisch und demographisch wie politisch und ideologisch bedingt. Im Vergleich zu den arabischen Staaten und Iran ist Israel ein sehr kleines Land mit einer zahlenmäßig unterlegenen Bevölkerung, das über keine nennenswerten Bodenschätze verfügt, nur schwer an Waffen gelangt und hart an menschlichen Verlusten trägt. Zwischen 1948 und Ende 2007 haben 24 000 Israelis im Krieg und bei Terrorangriffen ihr Leben verloren - ein sehr hoher Preis.[1] Doch Israel hat trotz der hohen Kosten der Kriege und des Terrors standgehalten. Diese erfolgreiche Strategie umfasst vor allem entschlossene militärische Reaktionen. Die nie offiziell erklärte nukleare Abschreckung in Verbindung mit dem Atomforschungszentrum in Dimona trug entscheidend dazu bei, den Vormarsch der Ägypter und Syrer 1973 zu stoppen und Saddam Hussein davon abzuhalten, die 1991 gegen Israel abgefeuerten Raketen mit chemischen oder biologischen Sprengköpfen zu bestücken. Israel wird dieses Nuklearpotenzial erst dann reduzieren können, wenn andere Staaten davon ablassen, mit Vernichtung zu drohen.

Fußnoten

1.
Vgl. die Website des israelischen Außenministeriums: http://www.mfa.gov.il/MFA/Terrorism-+Obsacle+to+Peace/Terrorism+from+Lebanon-+Hizbullah/Israel-Hizbullah+conflict-+Victims+of+rocket+attacks+and+IDF+
casualties+July-Aug+2006.htm.