APUZ Dossier Bild

14.4.2008 | Von:
David Witzthum

Israels Medien in Zeiten der Not

Israels Medien sind an einen Scheideweg gelangt, sowohl, was ihr Verhältnis zum Staat und zur Regierung betrifft, als auch in Bezug auf die eigene Identität.

Einleitung

Als die israelische Regierung einräumte, im Zweiten Libanonkrieg gegen die Hisbollah im Sommer 2006 gescheitert zu sein, mussten der Verteidigungsminister, der Generalstabschef, hohe Generäle und Offiziere zurücktreten. Ein Ermittlungsausschuss kam zu verheerenden Schlussfolgerungen. Ministerpräsident Ehud Olmert versprach, seine Lehren zu ziehen, indes forderte Außenministerin Zipi Livni und die Mehrheit der Kommentatoren in Presse und elektronischen Medien seinen Rücktritt. Hunderttausende, unter ihnen auch Reserveoffiziere, demonstrierten gegen die Regierung. Der Schriftsteller David Grossman, der seinen Sohn in diesem Krieg verloren hatte, bezeichnete Olmerts Führungsstil als "hohl" und weigerte sich, ihm die Hand zu reichen. Die öffentliche Unterstützung für Olmert sank auf weniger als fünf Prozent - ein Negativrekord in der Geschichte des Staates Israel.






Dagegen erlebten Israels Medien während und nach dem Krieg einen Höhepunkt. Sie waren unmittelbar zur Stelle, öffneten ihre Studios und schickten Korrespondenten innerhalb von Minuten nach Ausbruch der Kämpfe an die Nordgrenze. Ihre Sender waren die eigentliche Bühne und brachten im Verlauf des Kriegs kontinuierliche Berichterstattungen von allen Orten. Die Reportagen erwiesen sich als effektiv, glaubwürdig und sachverständig. In der anfänglichen Kampfphase waren sie "patriotisch", sie wurden kritisch, als Zweifel in Bezug auf Israels Fähigkeit aufkamen, die Hisbollah zu schlagen und die Bewohner des Nordens vor den Katjuscha-Raketen zu schützen. Die Medien haben ihre Machtposition in den Jahren der Anschläge gefestigt; die Wurzeln ihres Einflusses gehen bis auf den Anfang des jüdischen Siedlungswerks zurück.