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6.3.2008 | Von:
Michael Buestrich
Norbert Wohlfahrt

Die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit

Es werden die Voraussetzungen, Verfahrensweisen und Instrumente einer Ökonomisierung der Sozialen Arbeit in Deutschland beschrieben und es wird gezeigt, welche Folgen diese Veränderungen für die Beschäftigten und das Klientel Sozialer Arbeit haben.

Einleitung

Die seit über zehn Jahren geführte Debatte um die Notwendigkeit und Angemessenheit einer "Ökonomisierung des Sozialen" sowie ihrer praktischen Auswirkungen legt den Gedanken nahe, "Soziales" und "Wirtschaft" als bis dato strikt voneinander getrennte Sphären zu betrachten. Dabei ist es keineswegs so, dass die Begriffe "Effizienz" und "Effektivität", "Qualität" und "Wirkung" innerhalb der Fachlichkeit Sozialer Arbeit vorher keine Rolle gespielt hätten. Gleiches gilt für das Thema "Geld". Regelmäßig wird der Vorwurf erhoben, dass im Sozialbereich - anders als inder Wirtschaft, wo"Geld verdient" wird- , öffentliche Finanzmittel "verschwendet" würden. Dies sei vor allem auf den "funktionalen Dilettantismus"[1] und damit auf ein prinzipielles, vorrangig strukturell begründetes Missmanagement im Sozialsektor zurückführen.[2]








Für die Soziale Arbeit ergab sich von diesem außerfachlichen Ausgangspunkt der Ökonomisierungsdebatte, "[...] dass sie eben nicht primär durch die Intention einer Steigerung der professionellen Qualität sozialpädagogischer Angebote ausgelöst und bestimmt wurde, sondern vielmehr ein Folgeeffekt der finanziellen Engpässe des Systems sozialer Sicherung im allgemeinen und personenbezogener sozialer Dienste im speziellen ist".[3] Es kann im Folgenden deshalb nicht darum gehen, die "Ökonomisierung der Sozialen Arbeit" in ihrer Entwicklung als gänzlich neues Paradigma darzustellen.[4] Vielmehr sollen die Spezifika, das heißt die Motivation, Umsetzungsschritte und Auswirkungen des als sachlich unabweisbar propagierten Einzugs der Betriebswirtschaftslehre in die Soziale Arbeit entwickelt werden, die damit zugleich als längst überfällige "Rettungsaktion" für eine "Soziale Arbeit im Wandel"[5] oder gar eine "Soziale Arbeit in der Krise"[6] erscheint.

Fußnoten

1.
Vgl. Wolfgang Seibel, Funktionaler Dilettantismus. Erfolgreich scheiternde Organisationen, Baden-Baden 1992.
2.
Vgl. z.B. Udo Wilken, Faszination und Elend der Ökonomisierung des Sozialen, in: ders. (Hrsg.), Soziale Arbeit zwischen Ethik und Ökonomie, Freiburg 2000, S. 11ff.
3.
Michael Galuske, Methoden der Sozialen Arbeit. Eine Einführung, Weinheim 2001, S. 312.
4.
Vgl. Ivo Züchner, Aufstieg im Schatten des Wohlfahrtsstaates. Expansion und aktuelle Lage der Sozialen Arbeit im internationalen Vergleich, Weinheim 2007, S. 81ff.
5.
Martin Albert (Hrsg.), Soziale Arbeit im Wandel. Professionelle Identität zwischen Ökonomisierung und ethischer Verantwortung, Hamburg 2005.
6.
Klaus Störch (Hrsg.), Soziale Arbeit in der Krise. Perspektiven fortschrittlicher Sozialarbeit, Hamburg 2005. Zur Kritik des Selbstvorwurfs der Sozialen Arbeit, die die neuen sozialpolitischen bzw. -wirtschaftlichen Ansprüche an sie in eine Legitimitäts- bzw. Identitätskrise für sich umdeutet und daraus einen entsprechenden Reformbedarf der Fachlichkeit ableitet, vgl. Marianne Schmidt-Grunert, Die "BWL-isierung" als Hoffnungsträger der Sozialen Arbeit: Eine unangemessene und unrealistische Einschätzung des "gesellschaftlichen Ansehens" der Sozialen Arbeit, in: Sozialmagazin, 21 (1996) 4, S. 33ff.