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10.1.2008 | Von:
Klaus Dierßen
Aiko Huckauf

Biodiversität - Karriere eines Begriffes

Die Vielfalt biologischer Systeme nimmt regional und weltweit ab, synchron zu und rückgekoppelt mit der Zerstörung von Ökosystemen, Nähr- und Schadstoffeinträgen in Böden und Gewässer, Vernichtung von Lebensräumen und Klimaveränderungen.

Einleitung

Biologische Vielfalt fasziniert Naturwissenschaftler nicht erst, seitdem sie gefährdet scheint. Carl von Linné, Charles Darwin oder Ernst Haeckel waren namhafte Wegbereiter der Erforschung globaler Artenfülle und der dieser zugrunde liegenden evolutiven Prozesse, lange bevor Natur- und Umweltschützer sich des Themas ihrer Beeinträchtigung und Bedrohung angenommen haben. Mitunter bedarf es der Entwicklung eines neuen, vielfach zunächst unscharfen, metaphorischen Begriffes, um Paradigmenwechsel in Forschung, Gesellschaft und Entwicklung einzuleiten oder um bereits geläufige Einzelphänomene in neuem Fokus zu bündeln. Seit geraumer Zeit bemühen sich Evolutionsbiologen, Systematiker, Ökologen und Naturschützer darum, die Fülle biologischer und standörtlicher Strukturen und Phänomene zu strukturieren, um die Ursachen für eintretende Veränderungen zu analysieren und verstehen zu lernen.




Organismische Vielfalt in weit gefasstem Sinne und ihre regionale wie weltweite, teilweise drastische Veränderung waren auch der Gegenstand eines Diskussionskreises um E. O. Wilson, dessen Ergebnisse unter dem Titel "BioDiversity" als Buch veröffentlicht wurden.[1]




Zunächst allein auf Vielfalt von Organismen bezogen, wurde die Bedeutung dieser neuen Wortschöpfung mittlerweile deutlich erweitert und unterschiedlich ausgedeutet. Zügig fand sie Eingang in natur- und umweltschutzpolitische Foren. Spätestens seit dem 'Umweltgipfel' von Rio de Janeiro im Jahre 1992 hat die Einschätzung einer wachsenden Beeinträchtigung der Biodiversität in nahezu allen Lebensräumen der Erde die Abfassung vielfältiger umweltpolitischer Absichtserklärungen und verbindlicher Vereinbarungen ausgelöst, die es nunmehr in praktisches Handeln umzusetzen gilt.

Fußnoten

1.
Vgl. E. O. Wilson (ed.), BioDiversity, Washington, D. C. 1988.