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10.1.2008 | Von:
Katrin Vohland
Ulrike Doyle
Wolfgang Cramer

Der Einfluss von Klimaveränderungen auf die Biodiversität

Szenarien und Modelle

Die zukünftige Entwicklung des Gehaltes an Treibhausgasen in der Atmosphäre hängt von sehr vielen Dingen ab, u.a. vom Wachstum der Weltbevölkerung, von der wirtschaftlichen Dynamik, vom Ausmaß der Globalisierung, von Konsummustern wie z.B. der Menge an verzehrtem Fleisch und der Erschließung weiterer Ressourcen. Unter unterschiedlichen Annahmen hat der IPCC verschiedene Zukunftsverläufe herausgearbeitet und als so genannte "SRES-Szenarien" entwickelt. Das Szenario mit den angenommenen höchsten Emissionen ist das "A1FI-Szenario" (hohes Bevölkerungswachstum, wirtschaftliche Entwicklung auf Grundlage fossiler Brennstoffe), das mit den niedrigsten Emissionen das "B1-Szenario" (gebremstes Bevölkerungswachstum, ökologische Innovationen). Aktuell übersteigt der Trend der globalen Kohlendioxidemissionen das höchste Szenario, da in keinem Szenario mit der starken Dynamik Chinas gerechnet wurde.

Die Emissionstrends gehen als treibende Kräfte in globale Klima- oder Zirkulationsmodelle ein, die das großräumige Klima auf eine Weise modellieren, welche die Wirkung der weiter steigenden Treibhausgaskonzentrationen auf Temperatur und Niederschlag erkennen lässt. Weltweit werden davon ca. 20 betrieben, in Deutschland ist das Max-Planck-Institut (MPI) für Meteorologie mit dem gekoppelten Atmosphäre-Ozean-Modell ECHAM/OPYC beteiligt.

Die meisten Modellrechnungen haben eine Projektionszeit bis zum Jahr 2100. Das Ausmaß der erwarteten Erwärmung stimmt bei diesen Modellen relativ gut überein, ebenso das grobe Muster. Alle Projektionen zeigen, dass höhere Breiten, Gebirge und die Nordhalbkugel deutlich stärker von der Erwärmung betroffen sind als die äquatoriale Region und die Südhalbkugel. Bezüglich der Niederschläge unterscheiden sich die Muster der Verteilung zum Teil erheblich - aber es gibt Regionen, in denen übereinstimmend stark zunehmende Trockenheit erwartet wird, etwa im Mittelmeerraum. Ein Ziel des EU-Projektes ENSEMBLES[2] ist es, diese Variabilitäten einzugrenzen.

Alle Modelle zeigen im "A1FI-Szenario" einen viel deutlicheren Klimawandel als bei niedrigeren Emissionen - aber auch bei diesen bleibt der Klimawandel noch beträchtlich. Für einzelne Länder und Regionen werden regionale Klimamodelle verwendet. Es gibt analog zu den globalen Zirkulationsmodellen dynamische wie z.B. das CLM des Deutschen Wetterdienstes, oder statistische wie z.B. STAR, welches am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) entwickelt wurde. In beiden Fällen werden großräumige Trends aus den globalen Klimamodellen vorgegeben und an lokale Gegebenheiten, insbesondere die Topographie und die Land-Meer-Verteilung, angepasst. Eine allgemeine Aussage vieler Regionalsimulationen für Deutschland ist, dass der Osten von Deutschland generell wärmer und trockener wird, während in einigen Gebieten Westdeutschlands die Niederschläge zunehmen werden, welche sich zudem verstärkt vom Sommer- ins Winterhalbjahr verlagern.[3]

Fußnoten

2.
Vgl. http://ensembles-eu.metoffice.com/index.html (29. 10. 2007).
3.
Genaue Informationen zu deutschen Klimaszenarien sind über das Kompetenzzentrum KomPass - Klimafolgen und Anpassung - des Umweltbundesamtes zu erhalten: http://osiris.uba.de/gisudienste/Kompass/ (29. 10. 2007).