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10.1.2008 | Von:
Katrin Vohland
Ulrike Doyle
Wolfgang Cramer

Der Einfluss von Klimaveränderungen auf die Biodiversität

Wirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität

Phänologie - Die Erhöhung der Temperatur wirkt sich direkt auf den Lebenszyklus von vielen Pflanzen und Tieren aus. Für Pflanzen in Europa konnte anhand von Hunderten von Zeitreihen über 15 Jahre gezeigt werden, dass sich der Blattaustrieb und der Blühbeginn signifikant verfrüht haben, während sich die Laubverfärbung etwas in Richtung Jahresende verschoben hat.[4]

Mit diesem Trend, der auch vom Weltraum aus sichtbar ist, verlängert sich die Vegetationsperiode für viele Arten. Auch Tiere reagieren auf die erhöhten Temperaturen, Zugvögel kommen früher zurück bzw. überwintern in ihrem Brutgebiet, und einige Insekten - auch Schadinsekten - können mehr als eine Generation im Jahr haben.

Pflanzen - Sonnenlicht und Wasser, Strahlung und Nährstoffe sind wichtige Faktoren, die das Vorkommen von Pflanzen und die Konkurrenz unter ihnen bestimmen. Wird es wärmer, trockener oder feuchter, setzen sich jeweils anders zusammengesetzte Gemeinschaften durch. So ist aktuell zu beobachten, dass die Baumgrenze in den Bergen ansteigt, und das Vorkommen wärmeliebender Arten in höheren Breiten zunimmt.

Tiere - Tiere reagieren auf Veränderungen im Wärmehaushalt der Natur sowohl direkt durch erhöhte oder verlängerte Aktivität als auch indirekt durch die Nutzung der länger vorhandenen pflanzlichen Nahrungsgrundlage. Die Zunahme wärmeliebender Arten wie z.B. der Feuerlibelle oder dem Großen Feuerfalter in Deutschland wird auf die höheren Temperaturen zurückgeführt. Doch auch unwillkommene Arten wie z.B. die Tigermücke, Zecken oder von Zecken übertragene Krankheitserreger (Borreliose) profitieren vom Temperaturanstieg.

Vegetation - Alle Arten reagieren individuell auf den Klimawandel. Die Zusammensetzung von naturnahen Ökosystemen wird sich daher deutlich ändern, und viele Landschaften werden nicht mehr das gewohnte Bild bieten. Die zukünftige Artenzusammensetzung lässt sich jedoch nicht genau vorhersehen. Ein auffälliges Beispiel ist die Ausbreitung von Neophyten wie z.B. der Chinesischen Hanfpalme im Tessin.[5]

Wasserhaushalt - Flache Seen und Fließgewässer sind stark von der globalen Erwärmung betroffen. Die Gefahr der Austrocknung steigt, und auch die höheren Temperaturen sind für viele Arten schädlich. In tiefen Seen steigt zudem das Risiko von anoxischen Verhältnissen in tieferen Schichten, wenn die Durchmischung des Wasserkörpers aufgrund der zu geringen Abkühlung der oberen Wasserschicht nicht mehr gegeben ist. Dies kann eintreten, wenn die sauerstoffgesättigte obere Wasserschicht nicht mehr unter 4 Grad Celsius abkühlt und entsprechend nicht mehr als schwerere Phase sinkt und damit die Schichten durchmischt.

Jahresgang - In Fließgewässern spielt zusätzlich die Veränderung des jahreszeitlichen Rhythmus eine Rolle. Aufgrund abschmelzender Gletscher und einem geringeren Anteil von Niederschlägen, die als Schnee fallen, kommen die Frühjahrshochwasser vieler Flüsse immer früher im Jahr. Zudem nehmen mancherorts sowohl längere Trockenperioden mit Niedrigwasserständen als auch extreme Überflutungsereignisse zu. Ökologisch könnte dies in solchen Fliessgewässern von Vorteil sein, denen durch starke Regulation in der Vergangenheit die natürliche Dynamik genommen wurde. Insbesondere Niedrigwasser verbunden mit höheren Temperaturen ist für viele Organismen, aber auch für die Nutzung der Gewässer für die Fischerei, nachteilig.

Fußnoten

4.
Vgl. Anette Menzel u.a., European phenological response to climate change matches the warming pattern, in: Global Change Biology, 12 (2006), S. 1969 - 1976.
5.
Vgl. Gian-Reto Walther/Emmanuel S. Gritti/Silje Berger/Thomas Hickler/Zhiyao Tang/Martin T. Sykes, Palms tracking climate change, in: Global Ecology and Biogeography, 16 (2007) 6, S. 1 - 8.