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10.1.2008 | Von:
Katrin Vohland
Ulrike Doyle
Wolfgang Cramer

Der Einfluss von Klimaveränderungen auf die Biodiversität

Klimabedingte Veränderungen von Biodiversität für Menschen?

Landwirtschaftliche Nutzungssysteme - In der Landwirtschaft lassen sich zwei gegenläufige Trends aufgrund des Klimawandels beobachten. Einerseits erhöhen sich die Erträge, da sich die Vegetationsperiode verlängert hat und der erhöhte Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre wachstumsfördernd wirkt - allerdings teilweise mit geringeren Qualitäten in Bezug auf die Inhaltsstoffe wie z.B. Eiweiß.[6] Andererseits haben insbesondere im Obstbau aufgrund der Kombination von früherem Austrieb und späten Frösten sowie aufgrund vermehrter Unwetter mit Hagel und Sturm Schäden zugenommen.[7]

Auch die Auswirkungen auf Krankheiten und Schädlinge sind ambivalent. Auf der einen Seite kommen wärmeliebende Schädlinge wie der Maisbohrer nach Deutschland, andererseits verlängern sich gerade im Sommer regional die Trockenzeiten, was Pilzkrankheiten begrenzen könnte.

Forstwirtschaft - Die Forstwirtschaft mit den langen Umtriebszeiten hat bereits begonnen, sich auf den Klimawandel einzustellen - mit sehr unterschiedlichen Strategien: Die einen befürworten die Rückkehr zu einem standortgerechten naturnahen Wald, der in Deutschland im Allgemeinen hohe Anteile an Buche, Eiche und Linde aufweist. Andere präferieren exotische Arten wie z.B. Douglasie oder Robinie, die von Naturschützern als gebietsfremde Arten mit teilweise hohem invasorischen Potential abgelehnt werden. Auch speziell gezüchtete, eventuell auch mit Unterstützung der Gentechnik entwickelte Varietäten, die trockentolerant sind, werden in Betracht gezogen.

Zielführender ist es jedoch, mikroevolutive, d.h. auf die Umwelt reagierende Anpassungsprozesse zu unterstützen. Das allerdings setzt eine hohe natürliche Varianz voraus, wie sie durch den Anbau lokaler und genetisch breiter Varietäten erreicht werden kann, und eben nicht durch Gentechnik, da Populationen aus gentechnisch veränderten Pflanzen nur ein eingeengtes genetisches Spektrum besitzen.

Gesundheit - Einige der neu einwandernden Arten können ein gesundheitliches Problem darstellen. So wirkt der Korbblüter Ambrosia allergen auf Menschen. Einige Bundesländer wie z.B. Baden-Württemberg haben daher bereits größere Programme zur Eindämmung dieser Pflanze gestartet. Problematisch ist auch die Etablierung der Tigermücke, da diese schwer heilbare Krankheiten wie z.B. das Chikungunya- und Dengue-Fieber überträgt.

Naturschutz - Der Klimawandel stellt neue Anforderungen an den Naturschutz. Der Lebensraum von Arten ist bereits durch Verringerung der Habitatfläche, Landschaftsfragmentierung sowie durch großräumige Verschmutzung stark eingeschränkt. Seit der Industrialisierung sind mehr Arten ausgestorben als in den Jahrhunderten davor. Zur Sicherung der genetischen Vielfalt und Anpassungskapazität von Ökosystemen sind große und möglichst naturnahe Schutzgebiete nötig, die in Deutschland letztlich eine Form von Wald darstellen würden. Andererseits ist gerade der deutsche Naturschutz eng mit dem Erhalt einer offenen Kulturlandschaft verbunden. Die Herausforderung besteht darin, sich so über Auswahl und Management der Flächen zu einigen, dass beides möglich ist. Außerdem sollte ein modernes Naturschutzkonzept neben den Schutzgebieten auch die ganze -meist landwirtschaftlich bewirtschaftete - Landschaft einbeziehen, damit auch diese wieder zunehmend Lebensraum für Tiere und Pflanzen sein kann - einschließlich der Tiere und Pflanzen, die in den kommenden Jahren aus wärmeren Regionen zuwandern werden.

Fußnoten

6.
Vgl. Ned Stafford, The other greenhouse effect, in: Nature, 448 (2007) 2, S. 526 - 528.
7.
Vgl. Geschäftsbereich des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft, Klimawandel in Sachsen. Sachstand und Ausblick, Dresden 2005, Kap. 6.