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10.1.2008 | Von:
Katrin Vohland
Ulrike Doyle
Wolfgang Cramer

Der Einfluss von Klimaveränderungen auf die Biodiversität

Anpassung an den Klimawandel

Während die Vermeidung von Klimawandel durch den Erhalt von Biodiversität vor allem den globalen Kohlenstoffkreislauf betrifft, sind die Funktionen von Biodiversität in Richtung Anpassung stärker auf den Wasserkreislauf bezogen.

Lokales Klima - Aufgrund der Verdunstung von Wasser über Blätter übt die Vegetation eine Kühlungswirkung auf die Umgebung aus. Mikroklimatische Messungen belegen, dass Feuchtgebiete extreme Warmwetterlagen abfedern. Aus der Elfenbeinküste ist bekannt, dass Kakaobauern die kühlende Wirkung des Thai-Nationalparks, dem letzten großen Waldgebiet dort, schätzen und ihre Anbaugebiete in die Nähe des Waldes verlegen. Gleichzeitig ist der Schutz des Waldes allgemeiner Konsens.[13]

Wasserhaushalt - Eine erwartete Auswirkung des Klimawandels ist die Zunahme von Extremereignissen. In Flüssen ist das dadurch spürbar, dass einerseits Hochwasser zunehmen und es andererseits auch verstärkt zu Niedrigwasserperioden kommt. Intakte Auensysteme sind daher nicht nur wertvolle Lebensräume für heimische Pflanzen und Tiere, sie wirken auch als Puffer für den Wasserhaushalt. Eine verstärkt ökologische Orientierung des Hochwasserschutzes bedeutet, den Flüssen wieder mehr Raum zu geben, und bereits im Oberlauf Systeme zu renaturieren, um die Flutspitzen zu dämpfen. Dies wird in Europa bei der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie erleichtert, die ein Verbesserungsgebot für den Zustand von Gewässern enthält.

Agro-Biodiversität - Die genetische Vielfalt der Kulturpflanzen ist eine wichtige Versicherung gegen die Folgen des Klimawandels. Je reichhaltiger der Gen-Pool der Arten ist, desto eher gibt es Varietäten, die mit veränderten Umweltbedingungen umgehen können. Es ist also besser, eine Vielfalt von lokal angepassten Sorten zu schützen, als mit wenigen Sorten Anbau zu betreiben, die für eine bestimmte Eigenschaft - überwiegend ist das eine Resistenz gegen Pflanzenvernichtungsmittel - gentechnisch verändert worden sind. Hinzu kommt die extreme Konzentration auf dem Saatgutmarkt auf wenige Unternehmen, die zu einer weiteren Einengung des genetischen Spektrums auch innerhalb der Sorten führt.

Küstenschutz - Sehr offensichtlich sind die Synergien zwischen der Anpassung an den Klimawandel und den Schutz von Biodiversität beim Küstenschutz, und hier insbesondere bei den Mangrovenwäldern. Gebiete, in denen es noch funktionale Mangrovenwälder gab, wurden z.B. im Jahre 2004 sehr viel weniger stark vom Tsunami im Indischen Ozean betroffen als Gebiete, in denen diese Wälder bereits abgeholzt waren. Neben der Bedeutung als Lebensraum für Pflanzen und Tiere sind Mangrovenwälder auch für lokale Fischer eine wichtige Nahrungsgrundlage.

Fußnoten

13.
Vgl. Suhel al-Janabi, GeoMedia GBR, persönlicher Bericht nach GTZ-Studienaufenthalt in der Elfenbeinküste, 2007.