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10.1.2008 | Von:
Katrin Vohland
Ulrike Doyle
Wolfgang Cramer

Der Einfluss von Klimaveränderungen auf die Biodiversität

Die neunte Vertragsstaatenkonferenz der CBD

Klimapolitische und die Ziele des Biodiversitätsschutzes hängen auf der Ökosystemebene miteinander zusammen und sind deshalb aufeinander abzustimmen. Artikel 2 der Klimarahmenkonvention gibt das Ziel vor, die Anpassung der Ökosysteme solle auf natürliche Weise erfolgen können, und das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) strebt den Erhalt der Variabilität ökologischer Systeme an. Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten für ein positives Zusammenwirken. Generell speichern Ökosysteme umso mehr Kohlendioxid je naturnaher sie sind, weshalb die Einrichtung von großen Schutzgebieten sowohl dem Klima- als auch dem Biodiversitätsschutz dient. Eine qualitativ hohe Biodiversität (d.h. den ökologischen Bedingungen bestmöglich angepasst) kann in einigen Fällen die Auswirkungen eines sich rasch wandelnden Klimas abfedern. Jedoch sind weltweit 60 Prozent aller Ökosysteme geschädigt und werden übernutzt.[14]

Für die Landwirtschaft heißt dass, dass eine hohe Arten- und Sortenvielfalt positiv wirkt, indem die natürliche Anpassungsfähigkeit der Kulturpflanzen erhöht und auch die durch Klimaänderungen möglicherweise begünstigte Ausbreitung von Schadinsekten gebremst wird. Die Themen der COP 9 haben daher durchgehend auch Relevanz für den Klimaschutz, insbesondere:

  • Schutz der Wälder und Einrichtung mariner Schutzgebiete;
  • Instrumente zur Finanzierung der Schutzgebietssysteme;
  • Erhaltung pflanzen- und tiergenetischer Vielfalt in der Landwirtschaft (Agro-Biodiversität);
  • Entwicklung eines Regimes zum gerechten Vorteilsausgleich bei der Nutzung genetischer Ressourcen (ABS-Regime);
  • Umsetzung des Übereinkommens und Erreichen des 2010-Ziels, d.h. Stopp des Verlustes an Biodiversität weltweit bis 2010.

    Bis 2010 soll ein globales Netz aus Schutzgebieten gebildet werden, um den Verlust von Biodiversität zu stoppen. Ein Schwerpunkt wird auf dem Schutz der tropischen Regenwälder liegen, da hier die Synergien zwischen Klimaschutz und dem Erhalt der biologischen Vielfalt sehr hoch sind. Sowohl die Finanzierung als auch der Mechanismus sind aber noch unklar. Eine Möglichkeit besteht in der Anerkennung der vermiedenen Emissionen, eine andere in der Schaffung eines eigenen Waldprotokolls. Aktuell wurde im Waldforum der Vereinten Nationen (UNFF) ein achtjähriges Arbeitsprogramm verabschiedet, das möglicherweise in ein Waldprotokoll mündet. Konkreter und kurzfristig vielversprechender wäre eine Neubewertung von Wäldern nach der Klimarahmenkonferenz in Bali, Indonesien, im Dezember 2007.

    Auch das Schutzgebietssystem des CBD stellt nur vage Qualitätsansprüche hinsichtlich des Schutzstatus' und der Zusammensetzung der Waldökosysteme. Vielfältige Wälder mit naturnaher Artenzusammensetzung und breiter genetischer Amplitude bieten angesichts der für den konkreten Waldstandort kaum vorhersagbaren Folgen der Klimaänderung die beste Voraussetzung für anpassungsfähige und damit auch künftig stabile Waldökosysteme.

    Das Schutzgebietssystem Natura 2000 setzt die Ziele der CBD auf europäischer Ebene um. 20 Prozent der Landfläche der 27 EU-Staaten sind in das Schutzgebietssystem mit einbezogen. Deutschland hat zurzeit 9,9 Prozent seiner terrestrischen Flächen als FFH-Gebiete[15] gemeldet und 8,9 Prozent seiner Landfläche als Vogelschutzgebiete (Stand: 30. Juni 2007).[16] In Deutschland sind dadurch insgesamt 14 Prozent der Landfläche und 41 Prozent der marinen Fläche in das Netz Natura 2000[17] eingebunden. Diese Zahlen machen deutlich, dass es umfangreiche Flächenüberlagerungen von FFH- und Vogelschutzgebieten gibt, die zum Teil sogar identisch sind. Der Hauptanteil der Natura 2000-Gebiete (51,3 %) liegt in zurzeit als Wald genutzten Flächen (Laub- und Mischwälder 33,1 %, Nadelwald-Nutzung 18,2 %) gefolgt von Ackernutzung (21,4 %) und Grünlandnutzung (17,8 %).[18] Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten hat Deutschland zwar die höchste Anzahl an Natura 2000-Gebieten, jedoch ist die durchschnittliche Gebietsgröße eher klein; circa zwei Drittel aller Gebiete sind kleiner als 500 Hektar. Dadurch ist in vielen Fällen ihr Schutzzweck - der u.a. von einer für die Populationen ausreichender Schutzgebietsgröße abhängt - eingeschränkt.

  • Fußnoten

    14.
    Vgl. United Nations Environment Programme (UNEP), Global Environment Outlook Bericht - GEO, Malta 2007.
    15.
    FFH steht für Flora Fauna Habitat, und bezieht sich auf die entsprechende Richtlinie der EU vom 21. 5. 1992 (92/43/EWG). Gemeinsam mit den Vogelschutzgebieten gemäß der Vogelschutzrichtlinie vom 2. 4. 1979 (79/409/EWG) bilden die FFH-Gebiete das Schutzgebietsnetz Natura 2000, deren Gebiete EU-weit nach einheitlichen Standards ausgewählt und unter Schutz gestellt werden.
    16.
    Vgl. Europäische Kommission, Natura 2000 Barometer, in: http://ec.europa.eu/environment/nature/
    natura2000/barometer/index_en.htm (29. 10. 2007).
    17.
    Vgl. Bundesamt für Naturschutz (BfN), Zum Stand der Umsetzung von Natura 2000 in Deutschland, in: www.bfn.de/0316_gebiete.html (29. 10. 2007).
    18.
    Vgl. Ulrike Raths u.a., Deutsche Natura-2000-Gebiete in Zahlen, in: Natur und Landschaft, 81 (2006) 2, S. 68 - 80.