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20.11.2009 | Von:
Volker Perthes

Iran als außenpolitischer Akteur

Iran ist als gleichermaßen rationaler wie opportunistischer Akteur zu verstehen. Das Land strebt nach wirtschaftlichem und wissenschaftlichem Fortschritt, aber auch nach Prestige und Status. Zugleich ist Regimesicherheit ein zentrales Motiv der iranischen Politik.

Einleitung

Die Beziehungen der Islamischen Republik Iran zu seiner internationalen Umwelt werden nicht allein durch den so genannten Nuklearkonflikt bestimmt. Drei Dimensionen sind zu unterscheiden, wenn es um Irans Rolle in der Welt geht. Zunächst ist das Verhältnis des Landes zu seiner regionalen Umgebung zu nennen, das durch die Instabilität in Nachbarländern wie Afghanistan oder Pakistan, Fragen der Sicherheit am Persischen Golf, aber auch den Nahostkonfikt und Irans Interessen in der Nah- und Mittelostregion geprägt ist.






Dann sind da die Beziehungen zur Europäischen Union (EU), zu Großmächten wie Russland, China und Indien und zu internationalen Organisationen wie der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO). Hier haben Wirtschaftsinteressen schon immer eine Rolle gespielt. Iran ist ein Schwellenland, das ausländische Investitionen und Zusammenarbeit mit den Industriestaaten braucht, um seine wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben, das aber auch über die weltweit zweitgrößten Öl- und Gasvorkommen verfügt. Damit ist das Land für die Außenbeziehungen der EU-Staaten, Japans oder Indiens in jedem Fall wichtig. Seit 2003 dominiert der Konflikt um das iranische Atomprogramm die Beziehungen gerade zu Europa.

Die dritte Dimension ist die bilaterale US-amerikanisch-iranische. Auch hier spielt der Atomkonflikt eine zentrale Rolle, stellt allerdings nicht das einzige Problem dar. Die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten sind seit fast drei Jahrzehnten unterbrochen. Auch wenn man seit dem Amtsantritt Barack Obamas über eine Wiederannäherung spricht, dürften die Beziehungen von großer Skepsis geprägt bleiben, solange die Islamische Republik ihre ideologische Orientierung aufrecht erhält und gleichzeitig zunehmend zu einem Konkurrenten der USA um Einfluss im Nahen und Mittleren Osten wird.

Es geht in diesem Artikel nicht darum, den für die Beziehungen Irans zum Westen so wichtigen Atomstreit zu beleuchten. Dies ist an anderer Stelle geschehen.[1] In den Monaten nach dem Redaktionsschluss dieses Beitrags, im Frühherbst 2009, dürften diesbezüglich eher dynamische Entwicklungen zu erwarten sein. Stattdessen werden einige der Konstanten iranischer Außenpolitik betrachtet. Die iranische Interessenlage zu verstehen bleibt eine grundlegende Voraussetzung, um politische Lösungen für die Konflikte Irans mit seiner regionalen und internationalen Umwelt zu finden.

Fußnoten

1.
Vgl. Volker Perthes, Iran - Eine politische Herausforderung. Die prekäre Balance von Vertrauen und Sicherheit, Frankfurt/M. 2008; Sharam Chubin, Iran's Nuclear Ambitions, Washington D.C. 2006.

Dossier

Iran

Iran ist ein sehr junges Land: Rund zwei Drittel der Bevölkerung sind jünger als 30 Jahre, und sie sind unzufrieden über die wirtschaftliche Situation. Trotz staatlicher Zensur und Repressionen hat sich in Iran eine vielfältige Zivilgesellschaft entwickelt.

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