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20.11.2009 | Von:
Wahied Wahdat-Hagh

Scheitern des Chomeinismus

Radikalisierung

Im innerislamistischen Kampf um die Macht ging es im Juni 2009 zunächst um den Betrug bei der Präsidentschaftswahl. Dann gingen die Iraner aber erneut auf die Straßen und forderten Demokratie und Freiheit. Ex-Präsident Chatami hatte schon vor mehr als zehn Jahren vor einem Dammbruch gewarnt, der dazu führen könne, dass die Menschenmassen wie Wellen auf die Straßen strömen. Er warnte im Jahre 1997 auch vor den "ausländischen Feinden, die Bastionen im Land" hätten.[15]

Mit der Verschärfung der totalitären Diktatur ist der Ex-Präsident nun selbst zur Zielscheibe der chomeinistischen Machtmonopolisten geworden. Inzwischen haben die protestierenden Massen für ein antagonistisches Verhältnis zwischen der totalitären Diktatur und großen Teilen der städtischen Gesellschaft in der "Islamischen Republik Iran" gesorgt. Die chomeinistische Ideologie Irans geht aber nach wie vor davon aus, dass die absolute Herrschaft des Klerus und des Revolutionsführers Chamenei von Gott legitimiert wird. Tatsächlich setzen sie ihre Macht mit Hilfe der Gewalt der Revolutionsgardisten und der paramilitärischen Basidsch durch. Dem Volk bleibt die Entscheidung überlassen, ob es sich für die göttliche Vorbestimmung entscheidet oder nicht.[16]

Fußnoten

15.
Mohammad Khatami, Bime Moj (Angst vor der Welle), Teheran 1997, S. 197.
16.
Vgl. Wahied Wahdat-Hagh, Islamistische Herrschaft als eine Form des Totalitarismus, Die Symbiose von Religion und Diktatur im Iran, in: vorgänge, März 2006, S. 45 - 53.

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