APUZ Dossier Bild
1 | 2 | 3 | 4 Pfeil rechts

Qualifikation von Migrantinnen - eine Frage der Bürgerrechte? - Essay


16.10.2009
Die Anerkennung und Nutzung von Qualifikationen ist auch eine Frage von Bürgerrechten. Es wird gezeigt, wie türkische Migrantinnen in Großbritannien und Deutschland versuchen, beruflich Fuß zu fassen.

Einleitung



Die europäische Migrationspolitik unterscheidet klar zwischen qualifizierten Migrantinnen, die erwünscht sind und sogar als unabdingbar gelten, um auf dem globalen Markt wettbewerbsfähig zu sein, und anderen Migrantinnen, die als potentielle Belastung gesehen werden. Dabei wird oft vergessen, dass der Begriff der "qualifizierten Migration" nicht einfach ein Merkmal beschreibt. Sowohl Migrationsregimes als auch Dynamiken hierarchischer Eingliederung von Migrantinnen und Migranten in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt qualifizieren einen Großteil von ihnen faktisch ab.[1]




Gleichzeitig ist die Definition von "qualifizierter Migration" ein Ausdruck der jeweils aktuellen Interessen der Aufnahmeländer. So wird etwa im britischen Punktsystem nicht nur nach feststehenden objektiven Kriterien entschieden, welche Beschäftigung als qualifiziert gilt, sondern die Einteilung richtet sich auch nach temporären Engpässen auf dem Arbeitsmarkt. Darüber hinaus gibt es für Frauen geschlechterspezifische Hürden, die es nach der Einwanderung erschweren, eine qualifizierte Arbeit zu finden. So werden etwa Migrantinnen, die mit der Familie einwandern, häufig als nachreisende Familienangehörige kategorisiert. Außerdem werden "weiblich" definierte Arbeitsfelder gesellschaftlich weniger hoch bewertet, was sich insbesondere auf Migrantinnen auswirkt, die bisher in sozialen und erzieherischen Berufen und im Gesundheitswesen tätig waren. Es hängt also von unterschiedlichen Faktoren ab, wer als qualifiziert gilt und auch Arbeit findet - die Qualifikation einer Migrantin stellt davon nur einen dar, und der ist leider nicht immer der ausschlaggebende.[2]


Fußnoten

  1. Vgl. International Centre for Migration Policy Development (ed.), Migrants, Minorities and Employment: Exclusion, Discrimination and Anti-Discrimination in 15 Members States of the European Union, October 2003, in: www.fra.europa.eu/fra Website/attachments /CS-Employment-en.pdf (1. 9. 2009).
  2. Eleonore Kofman/Parvati Raghuram, Gender and Global Labour Migrations: Incorporating skilled Workers, in: Antipode, 38 (2006) 2, S. 282-303.
 

Dossier

Erklärtes Ziel der Integrationskurse ist u.a., Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von Sozialleistungen bei Zuwanderern zu verringern.

Migration

16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben 2010 allein in Deutschland. Was bedeutet das für die Integration? Wie sieht das Asyl- und Zuwanderungsrecht in Europa aus, und welche globalen Trends zeichnen sich ab? Weiter...