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16.10.2009 | Von:
Herbert Brücker

Arbeitsmarktwirkungen der Migration

Wie hat sich der Migrationsboom in den 1980er und 1990er Jahren ausgewirkt?

Gegenwärtig ist die Nettozuwanderung nach Deutschland auf nahezu Null gefallen. Von nennenswerten Arbeitsmarktwirkungen der Zuwanderung kann derzeit folglich kaum gesprochen werden. Allerdings verzeichnete Deutschland seit Mitte der 1980er Jahre hohe Zuwanderungszahlen, die mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Zusammenbruch des Ostblocks zu Beginn der 1990er Jahre noch einmal deutlich angestiegen sind. Insgesamt ist die Zahl der Erwerbspersonen zwischen Mitte der 1980er und Mitte der 1990er Jahre in Westdeutschland durch internationale Migration um rund fünf Prozent gestiegen.

Eine Simulation dieses "Wanderungsschocks" zeigt, dass die Zuwanderung kurzfristig zu einem Rückgang der Löhne um 0,5 Prozent und einem Anstieg der Arbeitslosenrate um 0,4 Prozentpunkte geführt haben könnte, langfristig, mit der Anpassung des Kapitalstocks, das Lohnniveau jedoch unverändert geblieben und die Arbeitslosenrate um rund 0,14 Prozent gestiegen sein dürfte. Mit anderen Worten: Schon wenige Jahre nach der deutschen Vereinigung dürften diese Effekte auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr oder kaum noch sichtbar gewesen sein, zumal dieser Schock nicht in einem Jahr, sondern über eine Dekade verteilt aufgetreten ist.

Interessant sind jedoch wiederum die Verteilungseffekte zwischen den einzelnen Gruppen im Arbeitsmarkt: Während die Löhne der einheimischen Bevölkerung langfristig um 0,3 Prozent gestiegen und ihre Arbeitslosenrate langfristig um rund 0,13 Prozent gesunken sein dürfte, gehören die ausländischen Arbeitnehmer zu den Verlierern der Zuwanderung: Ihre Löhne sind nach den Simulationsergebnissen langfristig um 3,45 Prozent und ihre Arbeitslosenrate langfristig um 1,42 Prozentpunkte gestiegen.[16] Damit kann mehr als ein Drittel des Anstiegs der Arbeitslosigkeit ausländischer Arbeitnehmer in diesem Zeitraum durch Zuwanderung erklärt werden. Die hohe Diskrepanz zwischen den Arbeitsmarktwirkungen der Migration für Inländer und Ausländer ist nicht allein darauf zurückzuführen, dass Ausländer und Inländer unvollkommene Substitute im Arbeitsmarkt sind. Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass die bereits im Lande lebenden Ausländer über eine relativ ähnliche Ausbildung und Berufserfahrung wie die Zuwanderer verfügen, so dass Immigranten stärker mit anderen Ausländern als mit einheimischen Arbeitskräften konkurrieren.

Fußnoten

16.
Vgl. ebd.