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16.10.2009 | Von:
Herbert Brücker

Arbeitsmarktwirkungen der Migration

Schlussfolgerungen

Die Befürchtung von Oskar Lafontaine, dass der Lohnwettbewerb von Migranten die Arbeitsplätze von deutschen Arbeitnehmern gefährdet, wird durch die empirischen Befunde nicht bestätigt. Im Gegenteil, deutsche Arbeitnehmer gehören in der Regel zu den Gewinnern der Zuwanderung. Sie profitieren durch steigende Löhne und, allerdings nur in geringem Umfang, durch fallende Arbeitslosigkeitsrisiken. Die Verlierer sind dagegen in der ausländischen Bevölkerung zu suchen, weil sie stärker als die Inländer mit den Zuwanderern in den gleichen Arbeitsmarktsegmenten konkurrieren. Zudem sind Inländer und Ausländer nur unvollkommene Substitute im Arbeitsmarkt, das heißt, auch bei gleicher Berufsausbildung und Berufserfahrung unterscheiden sie sich im Arbeitsmarkt. Dies kann auf vielfältige Faktoren wie Sprache, Kultur aber auch möglicherweise Arbeitsmarktdiskriminierung zurückgeführt werden.

Zu den interessantesten Ergebnissen der älteren wie auch der jüngeren Migrationsforschung gehört, dass die Arbeitsmarktwirkungen der Migration insgesamt sehr gering oder möglicherweise sogar neutral sind. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass sich nicht allein der Arbeitsmarkt an die Zuwanderung anpasst. In offenen Volkswirtschaften passen sich auch die Kapital- und die Gütermärkte an. Im Ergebnis ist die Ausweitung des Arbeitsangebotes durch Migration auf gesamtwirtschaftlicher Ebene neutral für die Entlohnung des Faktors Arbeit wie auch des Faktors Kapital. In einer international stark integrierten Volkswirtschaft wie der deutschen dürften sich diese Anpassungsprozesse eher rasch vollziehen.

Insofern hat Migration weniger Einfluss auf die Verteilung von Einkommen zwischen Kapital und Arbeit, sondern mehr auf die Verteilung von Löhnen und Beschäftigungschancen zwischen den einzelnen Arbeitnehmergruppen. Grundsätzlich gilt, dass die Arbeitsmarkt- und Verteilungswirkungen der Migration umso positiver ausfallen, je höher die Qualifikation der Migranten ist. Zum einen ergeben sich aufgrund geringerer Beschäftigungsrisiken dieser Gruppen und einer höheren Arbeitsmarktflexibilität positive Arbeitsmarkteffekte, zum anderen konkurrieren sie weniger mit den potenziell benachteiligten Gruppen im Arbeitsmarkt. Eine Steuerung der Zuwanderung nach Qualifikation bzw. Bildung wird deshalb auch durch die Erkenntnisse der jüngeren Migrationsforschung unterstützt.