APUZ Dossier Bild
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 Pfeil rechts

Zukunft der Gutenberg-Galaxis


8.10.2009
Mit der Erfindung des Buchdrucks war das Publizieren von einem Investor, dem Verleger, abhängig. Im Internet ist dieses "kapitalistische" Prinzip außer Kraft gesetzt.

Einleitung



Als das Magazin "Time" vor zehn Jahren die Frage nach der wichtigsten Persönlichkeit des zu Ende gehenden zweiten Jahrtausends stellte, setzte sich Johannes Gutenberg gegen alle Konkurrenten durch. Seine Erfindung, der Buchdruck mit beweglichen Metalllettern, und vor allem die enorme Wirkung dieser neuen Technologie lassen den 1468 gestorbenen Sohn eines Mainzer Patriziers tatsächlich als "Man of the Millennium" erscheinen. Durch den Buchdruck wurde die Reproduktion und Verbreitung von Wissensbeständen derart vereinfacht und be-schleunigt, dass es innerhalb weniger Jahrzehnte zumindest in Europa zu grundlegenden gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen kam. Der Buchdruck hat die zweite Hälfte dieses zweiten Jahrtausends geprägt wie kaum eine andere Innovation, und zu Recht hat der kanadische Medientheoretiker Marshall McLuhan von der "Gutenberg-Galaxis"[1] gesprochen. Auf Gutenbergs Erfindung folgten in Europa, aber bald auch in weiten Teilen der übrigen Welt Jahrhunderte, die vom geschriebenen und vor allem gedruckten Wort geprägt sind.






Aber nicht nur die Wirkung war herausragend, auch die technischen Innovationen, aus denen sich Gutenbergs Erfindung zusammensetzt, sind in ihrer Summe bemerkenswert.[2] Während das Prinzip aus heutiger Sicht simpel erscheint, waren die technischen Hürden, die Gutenberg im 15. Jahrhundert überwinden musste, gewaltig. Eine geeignete Rezeptur für die Druckerschwärze, Setzkasten und Setzwinkel, das Gerät zum Gießen der Lettern, die richtige Legierung für das Blei, schließlich die Presse selbst mussten erst entwickelt, hergestellt und getestet werden; es handelt sich beim Buchdruck mit beweglichen Lettern eben nicht um eine Zufallserfindung, sondern um eine offenbar geplante und über Jahre hinweg konsequent realisierte Innovation, bei der die Grundidee nur einen Teil der Gesamtleistung ausmacht.

Noch größer als die technischen waren die wirtschaftlichen Probleme, mit denen sich Gutenberg nach Ausweis der überlieferten Zeugnisse konfrontiert sah. Der wahrscheinlich über ein Jahrzehnt dauernde Entwicklungsprozess verschlang viel Geld; Material und Werkzeuge mussten (vor)finanziert werden. "Risikokapital" war im 15. Jahrhundert nicht gerade leicht aufzutreiben; dennoch fand Gutenberg immer wieder Geldgeber, die das Potential des Projekts erkannten. Als Gutenberg 1448 nach einem längeren Aufenthalt in Straßburg wieder in seiner Heimatstadt Mainz nachweisbar ist, ist er offenbar ganz mit dem noch geheimen Druckprojekt beschäftigt. Der Mainzer Kaufmann Johannes Fust schießt ihm die für damalige Verhältnisse enorme Summe von 800 Gulden vor. Als Sicherheit setzt Gutenberg die mit diesem Geld angeschafften Geräte ein; später wird es zwischen Fust und Gutenberg um diesen Vertrag Streit geben.

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 Pfeil rechts
Alles auf einer Seite lesen

Fußnoten

1.
Marshall McLuhan, Die Gutenberg Galaxis. Das Ende des Buchzeitalters, Köln 1995.
2.
Informativ hierzu die Beiträge in den folgenden Ausstellungskatalogen: Stephan Füssel, Gutenberg und seine Wirkung. Katalog zur Ausstellung der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, 23.6.-29.10. 2000, hrsg. von Elmar Mittler, Frankfurt/M.-Leipzig 2000; Gutenberg. aventur und kunst. Vom Geheimunternehmen zur ersten Medienrevolution, Mainz 2000.

 
Leseland DDRAus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 11/2009)

Leseland DDR

Die DDR verstand sich als Literaturgesellschaft. Hinter der Fassade vom "Leseland" bestimmte die Zensur, was gedruckt wurde und was nicht. Weiter...