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25.9.2009 | Von:
Piepenbrink, Johannes

Editorial

Noch nie waren so viele verschiedene Lebensmodelle möglich wie heute. Doch der Abbau gesellschaftlicher Zwänge bedeutet nicht automatisch mehr Wahlfreiheit für alle.

Noch nie waren so viele verschiedene Lebensmodelle möglich wie heute. Individualität und Wahlfreiheit erscheinen nahezu grenzenlos. Neben der traditionellen Familienkonstellation aus Ehemann, Ehefrau und Kind(ern) sind mittlerweile zahlreiche andere familiale Formen gesellschaftlich akzeptiert. Ebenso ist es inzwischen "normal", dass Ehen wieder geschieden oder zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern geschlossen werden. Auch die Rollenbilder sind längst nicht mehr so starr wie noch vor wenigen Jahrzehnten: Während es heute selbstverständlich ist, dass Frauen berufstätig sind und Karrieren verfolgen, entdecken viele Männer den Wert der familiären Arbeit und aktiver Vaterschaft - es wird inzwischen geradezu von ihnen erwartet.

Doch ist die Freiheit nur in Bezug darauf, was gesellschaftlich möglich ist, so groß - in der Praxis besteht Wahlfreiheit nur für diejenigen, die es sich materiell leisten können. Nur der- bzw. diejenige, dessen bzw. deren Existenz ökonomisch einigermaßen gesichert ist, kann es sich erlauben, sich die "Familien-" und die Erwerbsarbeit mit dem Partner bzw. der Partnerin so aufzuteilen, wie es beiden am besten entspricht. Beruf und Familie lassen sich längst nicht überall miteinander vereinbaren, so dass sich viele Menschen bzw. Paare zwangsläufig in alten Rollenbildern wiederfinden, die sie eigentlich für überholt halten.

Dass heute überhaupt von verschiedenen "Lebensentwürfen" die Rede sein kann, ist dem gesellschaflichen Wandel in den vergangenen vier Jahrzehnten zu verdanken. Es bleibt aber eine große gesellschaftspolitische Aufgabe, zu gewährleisten, dass breite Bevölkerungsschichten davon profitieren können und tatsächlich "jeder nach seiner Façon" glücklich werden kann.


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