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25.9.2009 | Von:
Marina Rupp

Regenbogenfamilien

Resümierende Diskussion

Regenbogenfamilien sind sehr vielfältig und stehen - je nach Entstehungsgeschichte und Biographie ihrer Kinder - vor unterschiedlichen Aufgaben. Bei deren Bewältigung spielen die rechtlichen und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen keine geringe Rolle. Diese könnten in verschiedenen Bereichen den komplexen Familienstrukturen in Regenbogenfamilien besser angepasst werden. Allerdings gibt es hierzu divergierende Positionen und somit keine einfache Lösung.

Dass die Paare in Eingetragenen Lebenspartnerschaften nicht gemeinsam adoptieren können, wirkt sich sowohl auf die Chancen einer Adoption als auch in der Familienrealität auf die mangelnde Absicherung der Kinder durch einen zweiten Elternteil aus. Diese Situation wird von den befragten Eltern und Expertinnen bzw. Experten unterschiedlich eingeschätzt. Während einige dafür plädieren, diesen Mangel zugunsten des Kindeswohls zu beheben, argumentieren einzelne Expertinnen bzw. Experten gegen eine Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare. Sie möchten den Kindern neben dem "Verlust" der eigenen Familie nicht das Risiko der Diskriminierung zumuten, das beim Aufwachsen in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft nicht auszuschließen sei.

Die Möglichkeit der Stiefkindadoption wird insbesondere für Kinder, die in die Beziehung hineingeboren wurden, in hohem Maße wahrgenommen und von den Eltern auch für wichtig erachtet. Von den Expertinnen bzw. Experten werden hier vor allem schnellere und einheitliche Verfahren gefordert. Teilweise wird die Forderung unterstützt, dass Kinder, die in die Lebenspartnerschaft geboren werden, automatisch eine rechtliche Beziehung zu beiden gleichgeschlechtlichen Eltern erhalten sollten. Eine solche Regelung würde automatisch - wie bei Ehepaaren - die Rechte der Samenspender beschneiden. Schwierigkeiten bereitet somit in diesen Fällen vor allem die Frage, wie die Beziehung zum anderen leiblichen Elternteil - in der Regel dem Vater - ausgestaltet werden soll. Hier können Interessenkonflikte zwischen den Anliegen der externen leiblichen und der sozialen Elternteile entstehen: Denn es ergeben sich - wie bei heterosexuellen Patchworkfamilien auch - Diskrepanzen zwischen faktischer und rechtlicher Elternschaft, da das Recht solche Konstellationen nicht berücksichtigt.[13] Und schließlich ist auch das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft zu bedenken.

Für die Familien mit Kindern aus vorherigen, heterosexuellen Beziehungen stellt sich die Frage der Stiefkindadoption seltener, da oftmals der andere leibliche Elternteil verfügbar ist und Elternrechte besitzt. Dies wird von der Mehrheit der leiblichen Eltern akzeptiert, wenngleich ein Teil der sozialen Eltern gerne auch formale Verantwortung für die Kinder übernehmen würde. Dieser Wunsch wird mit dem tatsächlichen Engagement für das Kind begründet. Ein Teil dieser Eltern kann zumindest das kleine Sorgerecht ausüben, da ihren Partnerinnen bzw. Partnern die alleinige Sorge für das Kind zusteht. Die Eltern wünschen vor allen Dingen eine größere Wertschätzung ihrer Leistungen für die Familie.

Fußnoten

13.
Vgl. Nina Dethloff, Kindschaftsrecht des 21. Jahrhunderts. Rechtsvergleich und Zukunftsperspektiven, in: Zeitschrift für Kindschaftsrecht und Jugendhilfe, (2009) 4, S. 141 - 147.

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