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11.9.2009 | Von:
Susanne Güsten

Die Kurdenfrage in der Türkei

Kultur

Lange sah Ankara die Assimilierung der Kurden als einzig gangbaren Weg an. Der öffentliche Gebrauch der kurdischen Sprache und die Aufführung kurdischer Lieder waren verboten. Dies führte dazu, dass viele der zehn bis zwölf Millionen Kurden zu Fremden im eigenen Land wurden. Da insbesondere auf dem Land zahlreiche Mädchen von ihren Eltern nicht zur Schule geschickt werden, gibt es in der Türkei Millionen von Frauen, die kein Türkisch verstehen. Bis vor kurzem war der PKK-nahe Satellitensender "Roj-TV" für diese türkischen Kurden die einzige moderne Informationsquelle, die ihnen zur Verfügung stand.

Im Rahmen der türkischen EU-Bewerbung lockerten sich in den vergangenen Jahren viele der Sprachverbote. Vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung war der Sendestart für den Fernsehkanal "TRT 6" zu Beginn dieses Jahres, eines staatlichen Senders, der seine Programme in kurdischer Sprache ausstrahlt. Ministerpräsident Erdoğan sprach beim Sendestart von "TRT 6" sogar einen Satz auf Kurdisch.[7] Als Folge der Tatsache, dass ein staatlicher Fernsehsender der Türkei ein Vollprogramm in kurdischer Sprache ausstrahlt, mehrten sich in den vergangenen Monaten die Forderungen nach weiteren Schritten. So wird über die Zulassung von kurdischen Wahlkampfreden ebenso diskutiert wie über kurdische Predigten in den Moscheen.

Fußnoten

7.
Erdoğan sagte: \"TRT Şeş bi xêr be\" - \"Viel Erfolg, TRT 6\"; vgl. Taraf vom 30.12. 2008.