30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
APUZ Dossier Bild

11.9.2009 | Von:
Susanne Güsten

Die Kurdenfrage in der Türkei

Soziales

Auch wenn die Kurden formal gleichberechtigte Bürger der türkischen Republik sind, gibt es viele Anzeichen sozialer Benachteiligungen. Nach der "Radikal"-Erhebung beträgt die durchschnittliche Schulzeit der Türken 7,4 Jahre, doch bei Kurden sind es nur 6,1 Jahre. Während in einem türkischen Durchschnittshaushalt 4,3 Menschen leben, sind es in einem kurdischen Haushalt 6,1. 15 Prozent der befragten Kurden gaben an, ihren Ehepartner nicht selbst ausgesucht zu haben; im türkischen Landesdurchschnitt liegt dieser Anteil bei 6,7 Prozent.[12]

Im Kurdengebiet gibt es weniger gute Straßen, weniger Flughäfen und weniger Universitäten als in anderen Teilen der Türkei. Mitunter schlagen Spannungen zwischen Türken und kurdischen Zuwanderern in westlichen Landesteilen der Türkei in Gewalt um. In Altinova an der Ägäis starben im vergangenen Herbst zwei Menschen bei Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden. Geschäfte von Kurden wurden geplündert. Der Soziologe Mustafa Sönmez sah darin Anzeichen für eine "Lynchkultur", die viele Kurden dazu bewege, trotz wirtschaftlicher Not in ihrer ostanatolischen Heimat zu bleiben, statt im Westen der Türkei Arbeit zu suchen.[13]

Fußnoten

12.
Vgl. ebd.
13.
Vgl. Milliyet vom 13.10. 2008.