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31.7.2009 | Von:
Ingo Schoenheit

Nachhaltiger Konsum

Der nachhaltige Konsum ist eine normative Leitidee, die Vorschläge zur Veränderung von Konsum- und Produktionsstrukturen unterbreitet, um ihre Zunftsfähigkeit sicherzustellen. Die bewusste Gestaltung wichtiger Rahmenbedingungen für den Konsum ist unerlässlich.

Einleitung

Wir treffen uns an einem kritischen Punkt der menschlichen Geschichte. Unser Planet erwärmt sich in gefährlichem Maße." Mit diesen Worten forderte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon während des Weltwirtschaftsgipfels zum Klimawandel in Kopenhagen Ende Mai 2009 Unternehmen aus aller Welt dazu auf, sich verstärkt in den Kampf gegen den Klimawandel einzubringen.[1]





Doch nicht nur Unternehmen sind aufgerufen, sich den Herausforderungen des Klimawandels zu stellen. Bei der Produktion, vor allem jedoch bei der häufig energieintensiven Nutzung von Produkten verbrauchen Konsumenten in den Industrieländern deutlich zu viel Energie und andere knappe Ressourcen.[2] Bei Fortführung der gegenwärtigen Konsum- und Produktionsmuster werden wir schon bald die Fläche eines zweiten, der Erde vergleichbaren Planeten benötigen, um den Ressourcenhunger zu stillen. Hinzu kommt, dass die Verteilung des Ressourcen- und Energieverbrauchs alles andere als gerecht ist. Der sogenannte ökologische Fußabdruck beträgt in Industrieländern 6,5 ha pro Person, in Entwicklungsländern 0,9 bis 1,7 ha.[3] Auch beim Energieverbrauch zeigt sich ein ähnliches Bild. Während beispielsweise ein Inder im Jahr 2004 durchschnittlich eine Tonne CO2 verbraucht hat, lagen die CO2-Emissionen in Deutschland bei über 10 Tonnen pro Person. Mehr als 20 Prozent der das Klima gefährdenden Treibhausgasemissionen werden in Deutschland durch den privaten Konsum verursacht.[4] Steht damit unser Wohlstand, der ja in weiten Teilen vom Konsum abhängt, auf dem Prüfstand?

Fußnoten

1.
Vgl. United Nations Environment Programme, UN Secretary General's opening remarks at the World Business Summit on Climate Change in Copenhagen, in: www.unep.org/Documents.Multilingual/Default. asp?DocumentID =588&ArticleID=6188&l=en (31.5. 2009).
2.
Vgl. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, Fair Future. Begrenzte Ressourcen und globale Gerechtigkeit, München 2005.
3.
Der ökologische Fußabdruck gibt an, wie viel Fläche notwendig ist, um den eigenen Lebensstil zu ermöglichen. Die persönliche CO2-Bilanz zeigt, in welchem Lebensbereich wie viel CO2 verursacht wird. So lassen sich Gestaltungsspielräume herausfinden, wie nachhaltiger Konsum am besten umgesetzt werden kann. Im Internet gibt es "Rechner", die den ökologischen Fußabdruck und den CO2-Verbrauch berechnen. (www.nachhaltiger-warenkorb.de).
4.
Vgl. Umweltbundesamt (Hrsg.), Klimaschutz in Deutschland: 40%-Senkung der CO2-Emissionen bis 2020 gegenüber 1990, (2007), in: www.umweltdaten. de/publikationen/fpdf-l/3235.pdf (1.6. 2009).