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31.7.2009 | Von:
Christine Henseling
Birgit Blättel-Mink
Jens Clausen
Siegfried Behrendt

Wiederverkaufskultur im Internet: Chancen für nachhaltigen Konsum

Online-Handels- und Auktionsplattformen wie eBay eröffnen Chancen für einen nachhaltigen Konsum. Durch die Vermarktung gebrauchter Güter können die Lebens- und Nutzungsphase von Produkten verlängert und Umweltbelastungen vermieden werden.

Einleitung

Elektronische Auktionsmärkte und Handelsplattformen eröffnen neue Spielräume: vor allem mit Blick auf einen nachhaltigen Konsum. Chancen zur Erschließung bisher nicht genutzter Umweltentlastungspotenziale bestehen bei der Weiterentwicklung internetgestützter Gebrauchtwarenmärkte. Dieses Potenzial beruht im Wesentlichen auf der Möglichkeit, durch Vermarktung gebrauchter Güter die Lebens- und Nutzungsphase von Produkten zu verlängern und so zusätzliche Umweltbelastungen durch Neuanschaffungen zu vermeiden.





Bisher scheiterte die Ausschöpfung der Wiederverwendungsmöglichkeiten im Bereich privater Haushalte oftmals an zu hohen Transaktionskosten, so dass der Handel mit gebrauchten Produkten auf regionale Märkte beschränkt blieb. Aufgrund dieser Hemmnisse wurde oftmals weder lokal noch regional eine kritische Größe für Gebrauchtgütermärkte erreicht, die sowohl für Anbieter als auch Nachfrager attraktiv sein konnte. Durch die rasant gestiegene Nutzung des Internets und durch große Handelsplattformen wie eBay haben sich die Rahmenbedingungen in den zurückliegenden Jahren allerdings grundlegend gewandelt.




Die Nachhaltigkeitspotenziale, die mit dem elektronischen Handel und dem Rollenwandel vom Konsumenten zum Prosumenten verbunden sind, werden in einem aktuellen, transdisziplinär angelegten Forschungsprojekt untersucht.[1] In dem Projekt werden in Kooperation mit und am Beispiel von eBay erstmalig umfassend die Auswirkungen des Online-Handels mit Gebrauchtgütern analysiert und Ansatzpunkte aufgezeigt, wie Nachhaltigkeitspotenziale erschlossen werden können. Mit dem Begriff "Prosuming" ist dabei, in Anlehnung an Alvin W. Toffler (1980), die Kopplung von Produktion und Konsumption gemeint.




Um die Nachhaltigkeitseffekte von onlinegestütztem Gebrauchtwarenhandel bestimmen zu können, sind folgende Faktoren von Bedeutung: das Wissen um das Vorhandensein ungenutzter Güter im Haushalt; die Kenntnis der Bedingungen dafür, dass private Haushalte, verstärkt internetgestützten Gebrauchtwarenhandel betreiben; das Wissen über die ökologischen Effekte onlinegestützten Gebrauchtwarenhandels; die Identifikation von Aspekten des Prosuming durch onlinegestützten Gebrauchtwarenhandel; und schließlich die Kenntnis der Bedingungen individueller Nachhaltigkeit im Kontext onlinegestützten Gebrauchwarenhandels.







Fußnoten

1.
Unter Mitarbeit von Saskia-Fee Bender, Dirk Dalichau, Lorenz Erdmann, Klaus Fichter, Merle Rehberg und Wiebke Winter. Das Projekt "Vom Consumer zum Prosumer - Entwicklung neuer Handelsformen und Auktionskulturen zur Unterstützung eines nachhaltigen Konsums" wird vom IZT, dem Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit und der Johann Wolfgang Goethe-Universität durchgeführt und vom BMBF im Rahmen der sozial-ökologischen Forschung gefördert (siehe: http://www.izt.de/prosumer).