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10.5.2009 | Von:
Nevim Çil

Türkische Migranten und der Mauerfall

Die Ereignisse von 1989/90 haben türkische Migrantinnen und Migranten nachhaltig beeinflusst. Zugehörigkeit zu Deutschland definierte sich über ethnische Herkunft.

Einleitung

In Auseinandersetzungen und Debatten um den Mauerfall 1989 und die deutsche Einheit 1990 ist die Perspektive verengt auf die Erfahrungswelten des deutschen Bevölkerungsanteils diesseits und jenseits der ehemaligen Grenze. Selten werden in diesen Diskussionen die Sichtweisen von Migrantinnen und Migranten und ihren Nachkommen berücksichtigt. Die neuen gesellschaftlichen Gruppenkonstellationen, die durch die Ereignisse von 1989/90 ausgelöst wurden, haben jedoch das Selbstverständnis und die Zugehörigkeitsbekenntnisse von Migranten, insbesondere von türkischen Migranten und ihren Nachkommen, um die es hier geht, nachhaltig verändert. Veränderte Zugehörigkeiten machen gleichzeitig Voraussetzungen und Grenzen von Zugehörigkeit überhaupt (wieder) sichtbar.






Es geht im Folgenden nicht um die Frage nach der deutsch-deutschen, der "inneren" Einheit und dem Verhältnis zwischen West und Ost. Vielmehr versucht dieser Beitrag, die Perspektive der an den Rand der Gesellschaft gedrängten, hier den türkischen, Migranten, aufzugreifen. Bevor ich die Auswirkungen des Mauerfalls und der Wiedervereinigung auf diese Gesellschaftsgruppe darstelle, möchte ich die Stimmung und die Veränderungen, die durch die Ereignisse von 1989/90 ausgelöst wurden, skizzenhaft darlegen.